Gestatten GIMmie: Mirjam Hauser, GIM Suisse

Seit Juni diesen Jahres ist Mirjam Hauser Teil des GIM-Teams. Als Senior Research Managerin bei der GIM Suisse in Zürich widmet sie sich der Konsumforschung, nachdem sie zuvor beim renommierten Gottlieb Duttweiler Instititute Zukunftsforschung und Trendforschung betrieben hatte. Grund Genug, sie Euch im Radar-Interview mal etwas näher vorzustellen…

Hallo Mirjam und herzlich Willkommen zu unserem Radar-Interview, es freut mich, Dich begrüßen zu dürfen.
Ja, Hallo Frank, ich freue mich auch 🙂

Du bist seit Juni bei der GIM Suisse in Zürich. Wie gefällt’s Dir bisher, hast Du Dich gut eingelebt?
Danke ja, ich fühle mich in der GIM sehr wohl. Wir sind in Zürich mit acht Mitarbeitern ein kleines Team, da lernt man sich ja schnell kennen und ich hatte auch gleich Einblicke in die unterschiedlichsten Projekte. Gleichzeitig hatte ich schon zu Beginn mit GIM Heidelberg und Berlin Kontakt für neue Projekte.

Und: Du hast gleich auch mal beim GIM Camp reingschnuppert…
Ja, klar, das war toll, da waren ja auch noch die Kollegen aus Frankreich dabei Anfang Juli in Heidelberg. Damit kannte ich viele Kollegen schon früh persönlich. Das war eine unglaublich gute Stimmung und es hat riesig Spaß gemacht, sich auszutauschen – vieles ist ja neu für mich…

camp Mirjam
Mittendrin statt nur dabei: Mirjam beim GIM Camp Anfang Juli in Heidelberg. Trotz 40 Grad gut drauf (wie alle anderen auch…erstaunlicherweise :-))

Was sind bei der GIM Suisse Deine konkreten Aufgaben als Senior Research Manager?
Einerseits plane, organisiere und führe ich qualitative und quantitative Marktforschungsprojekte durch. Dabei ist die Fragestellung von Kunden meistens ja schon vorgegeben, aber das Studiendesign zu entwickeln finde ich sehr interessant: Wie kann ich die Fragen der Kunden am besten und effizientesten beantworten? Das geschieht häufig in enger Abstimmung mit den Kunden. Und letztlich geht es natürlich auch um die Vermittlung der Ergebnisse, sei das in Berichtsform oder als Präsentation beim Kunden.

Aber Du hast auch interne Aufgaben…
Ja, ich bin auch für die strategische Weiterentwicklung der GIM Suisse mitverantwortlich. Ich beschäftige mich also mit Fragen wie „Wozu braucht es die Markt- und Konsumforschung in den nächsten zehn Jahren überhaupt noch? Was erwarten Kunden von uns? Welche neuen Geschäftsopportunitäten entwickeln sich?“ – das finde ich super spannend!

Große Themen für unsere Branche, in der Tat…Wie bist Du denn überhaupt auf uns gestoßen? Kanntest Du die GIM bereits oder war’s eher ein Bewerbungs-Glücksfall 🙂
Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich die GIM nicht kannte – aber als ich den Stellenbeschrieb las, dachte ich, dass es genau das ist, was ich suche und was mich reizen würde! Und dieses erste spontane Gefühl hat sich im Lauf des Bewerbungsprozesses dann immer mehr bestätigt. Ich glaube, das hat auch mit der Unternehmenskultur der GIM zu tun, die so offen, neugierig, kooperativ aber auch tiefgehend und fordernd ist.

Na, das hört man doch gerne 🙂 Was waren denn Deine vorherigen Job-Stationen?
Gegen Ende des Studiums habe ich in einem Marketingberatungsunternehmen, der BBDO Consulting, gearbeitet und dort auch meine Masterarbeit geschrieben über den konsumentenbasierten Markenwert von Schweizer Krankenkassen. Dann habe ich nach dem Studium einen kurzen Abstecher im diplomatischen Dienst auf der Schweizer Botschaft in Buenos Aires gemacht – das war eine tolle Erfahrung, aber das Diplomatenleben, zum Beispiel alle drei Jahre umziehen, hat mich zurückgehalten, diesen Weg definitiv einzuschlagen.

GIMSuisse_Mirjam_Hauser
Nach sieben Jahren beim GDI nun bei der GIM Suisse: Trend- und Zukunftsforscherin Mirjam Hauser.

Verständlich – obwohl es natürlich sehr reizvoll klingt…
Ja klar- und dennoch war die Entscheidung richtig, denn im Anschluss bin ich beim GDI Gottlieb Duttweiler Institut gelandet – das war eine Blindbewerbung, weil mich die Trendforschung und die Auswirkungen auf Gesellschaft und Wirtschaft so interessiert hat.

Ja, das GDI ist wirklich einer der Think Tanks in Europa…Du hast Sozial- und Wirtschaftspsychologie studiert und über den Wirkungszusammenhängen ess-spezifischer Werte, Einstellungen und Konsumverhalten promoviert. Woher rührt die Leidenschaft für das Thema Food – wolltest Du mal Sterneköchin werden? 🙂
Haha, nein, ehrlich gesagt würde ich mir das nie zutrauen! Ich habe einen sehr grossen Respekt vor Köchen – ich geniesse lieber, was die Profis für mich zubereiten! Auf der anderen Seite war Essen in unserer Familie aber immer ein wichtiges Thema, das gemeinsame Mittag- und Abendessen mit der ganzen Familie war ein festes Ritual.

Ist ja heute nicht mehr unbedingt die Regel…
Ja klar, aber auch das macht das Thema Essen neben anderem zu einem extrem spannenden Forschungsfeld, weil es einerseits so etwas „Banales“ ist (alle müssen essen) und dennoch extrem sensibel ist, weil wir es in unseren Körper aufnehmen. Wenn sich die Welt verändert, wirkt sich das unmittelbar auf das, was im Teller liegt und vor allem WIE wir dies konsumieren aus. Essen ist sozusagen auch ein Frühindikator für Veränderungen – das Thema Nachhaltigkeit kam zuerst beim Essen auf und erst dann hat es sich auf andere Bereiche wie Mode, Elektronik, Mobilität usw. ausgewirkt.

Oha, da spricht die Trendforscherin. Nochmal zurück zum GDI: Was waren dort Deine Schwerpunkte?
Am GDI habe ich vor allem die gesellschaftlichen Veränderungen beobachtet, wie sich Werte, Einstellungen und Gewohnheiten verändern und was das für Unternehmen und die Gesellschaft im Allgemeinen bedeutet. Was mich von Anfang an begleitet hat, sind die Food Trends: Was ist den Konsumenten beim Essen wichtig? Wie verändert sich unser Alltag und welchen Einfluss hat es auf das Was und Wie wir essen? Sprich: Wenn unser Alltag immer entstrukturierter wird, also unregelmäßiger und keinen festen Schema mehr folgt, verpflegen wir uns auch zunehmend anders.

mirjam2
Wenn der Berg ruft: Mirjam als Naturliebhaberin mit Freunden im Alpsteinsteingebiet am Seealpsee.

Also ging es damals schon darum, Konsumverhalten zu erforschen…
Ja, Konsumverhalten ganz allgemein war ein Schwerpunkt, aber auch alles, was mit Werthaltungen zu tun hatte, wie die Zukunft des Teilens, Menschen mit Behinderungen, Vertrauen, Statussymbole der Zukunft. Schön war auch, dass etwa die Hälfte GDI-Eigenstudien waren, d.h. das GDI konnte das Studienthema selber bestimmen, und die andere Hälfte Auftragsstudien waren, zum Beispiel für Detailhändler, Konsumgüter- und Verpackungsindustrie, Dienstleister und NPOs.

Spannend! Was reizt Dich daran, die Gesellschaft und die Zukunft zu erforschen?
Es ist ja nicht so, dass man die Zukunft vorhersagen kann, aber man kann sich abzeichnende Veränderungen in die Zukunft weiterdenken – deshalb spricht man ja auch von “Thesen” oder “Szenarien” in der Zukunftsforschung. Es gibt also nicht DIE Zukunft, sondern unterschiedlich viele, mögliche Zukünfte. Erst wenn man sich diese Zukunftsbilder ausmalen kann, kann man darüber diskutieren, was sie bedeuten würden und in welche Richtung wir uns (ein Unternehmen, eine Stiftung, eine Stadt oder ein Land) bewegen wollen. So kann man die Zukunft besser gestalten. Und Grundlagen für diese Diskussionen zu liefern, das ist mein Ansporn.

Wow, finde ich echt spannend! Und wieso dann der Quereinstieg in die Marktforschung, eine – wie ja viele unwissende Spötter sagen – im Vergleich weniger glamouröse Branche?
Nein, das sehe ich also nicht so! Schließlich baut die Trendforschung ja auch auf Erkenntnissen der Marktforschung auf! Genau zu verstehen, was die Leute heute denken, fühlen und handeln, das ist erst die Basis, um Thesen für die Zukunft aufzustellen. Was mich gereizt hat, waren die vielfältigen und auch neuen, innovativen Methoden, aber auch Themenbreite und der riesige Erfahrungsschatz der GIM-Forschung.

Was sind aus Deiner Sicht die gravierendsten Unterschiede zwischen den beiden Disziplinen?
Wie gesagt geht es bei der Marktforschung meistens darum, akkurate Aussagen über das “Hier und Jetzt” zu generieren. An diesem Punkt geht die Trendforschung dann einen Schritt weiter und versucht anhand von Megatrends diese Aussagen in die Zukunft weiterzuentwickeln. Also, wir können in der Marktforschung erfassen, warum, wann und mit wem die Leute Dinge mit anderen teilen. Wenn man dann schaut, wie die weltweite Verknappung der Ressourcen und die zunehmende Digitalisierung zunehmen, dann kann man die These aufstellen, dass aufgrund der Bereitschaft der Menschen Dinge zu teilen (wie in einer quantitativen Befragung festgestellt wurde), “Sharing” in Zukunft wichtiger werden könnte.

mirjam3
Einmal Berge – immer Berge: Mirjam beim Snowboarden im Hoch-Ybrig in der Schweiz.

Okay, verstanden. Und was die spannendsten Gemeinsamkeiten?
Beide Disziplinen versuchen Phänomene zu erklären, häufig interessiert also nicht nur wie viele Leute etwas tun, sondern warum sie etwas tun. Und beide Disziplinen versuchen dies möglichst transparent zu tun – also genau zu erklären, wie man zu den Ergebnissen gekommen ist.

Du hast Dich während Deiner GDI-Zeit zur gefragten Speakerin und Autorin zahlreicher Publikationen entwickelt. Hast Du vor, das neben Deinen neuen Forschungsaufgaben weiter zu führen?
Ja, das möchte ich weiterhin gerne machen! Ich kann mir vorstellen, dass noch mehr zu tun in Kooperation mit Unternehmen, die ein Interesse an grundlegenden gesellschaftsrelevanten Fragestellungen haben, aber auch mit Hochschulen. Und Referate finde ich immer spannend, weil man in Kürze die wichtigsten Erkenntnisse verständlich und anregend präsentieren sollte und sich daraus meistens sehr spannende Diskussionen mit den Zuhörenden oder Mit-Referenten ergeben. Da kann man immer auch sehr viel wieder mitnehmen.

Das muss man aber auch im Blut haben…Respekt! Schnitt – Wie verbringt die “private Mirjam” ihre Freizeit, wie schaltest Du am besten ab?
Da gibt es ganz unterschiedliche Varianten! Ich bin gerne draussen in der Natur, im Sommer Wandern, im Winter Snowboarden. Aber ich treffe auch gerne Freunde zum Apéro irgendwo in der Stadt oder wir kochen etwas (nicht auf Sterne-Niveau :-)) oder gehen an Konzerte. Überhaupt geniesse ich das kulturelle Angebot in Zürich – vom Opernhaus-Ballet zu Street-Food-Festivals oder im Kino läuft immer was…

mirjam4
Auch das gehört dazu, wenn man sich für Kultur interessiert: Besuch mit Freundinnen beim Open-Air St.Gallen 😉

Wie würdest Du Zürich beschreiben – als Stadt zum Leben und zum Arbeiten?
Zürich hat für mich die fast perfekte Grösse: es ist gross genug für ein breites kulturelles und kulinarisches Angebot und gross genug, dass man nicht immer denselben Leuten über den Weg läuft. Und dennoch hat es die Vorteile einer Kleinstadt, weil wir keinen Smog kennen, man kommt überall mit dem Velo hin, und man ist in 15 Minuten draußen in der Natur, auf dem Üetliberg oder am See oder an der Limmat.

Hör auf, da wird man ja neidisch, obwohl wir uns in Heidelberg ja nun wirklich nicht beklagen dürfen…Mirjam, wir sind fast am Ende unseres Interviews. Noch drei kurze Fragen mit der Bitte um ebenso kurze Antworten. 

Was macht Dich wütend?
Wenn trotz Schweizer Pünktlichkeit das Umsteigen vom Bus auf den Zug nicht klappt!

Was macht Dich traurig?
Wenn ich wieder einmal realisiere, in welch privilegierter Situation wir leben und Menschen in anderen Teilen der Welt nicht den Hauch solcher Chancen in die Wiege gelegt bekommen.

Was macht Dich glücklich?
Sehr vieles! Grosse Dinge wie Reisen, auf dem Berg stehen – aber auch viele kleine Dinge wie das Vorbeihuschen eines Fuches mitten in der Stadt, ein guter Cappucino, ein tolles Lied im Radio…

Das sind sehr nachdenkenswerte Antworten, Mirjam! Dafür ganz lieben Dank – aber natürlich auch überhaupt für Deine Zeit! Wir wünschen Dir weiterhin noch eine gute Zeit in der GIM und natürlich privat weiterhin alles Gute. Bis bald!
Mir hat’s auch Spaß gemacht, Danke an Dich und das Radar-Team!

Verwandte Beiträge

Comments (1)

[…] nun Teil des Teams bei der GIM Suisse: Trend- und Zukunftsforscherin Dr. Mirjam Hauser. Erfahrt hier mehr zu ihrem Aufgabenbereich als […]

Leave a comment

Privacy Preferences
When you visit our website, it may store information through your browser from specific services, usually in form of cookies. Here you can change your privacy preferences. Please note that blocking some types of cookies may impact your experience on our website and the services we offer.