Visualisierung in der Marktforschung mit Christina Piper (Teil 2)

In unserer Rubrik “Am Kicker mit” bekommen wir immer wieder tolle Einblicke in das, was unsere Kolleginnen und Kollegen der GIM machen. Bereits letzte Woche hat GIM Kollegin Christina Piper spannende Einblicke in ihren Aufgabenbereich gegeben. Zu ihren besonderen Skills gehört alles rund ums Thema „Visualisierung in der Marktforschung“. Lest hier nun den zweiten Teil des Interviews, in dem es um die Vorteile der Illustrationen gegenüber anderen visuellen Hilfsmitteln geht sowie auch um die Marktforschungsgebiete, in denen das Tool konkret eingesetzt werden kann.

In welchen Bereichen der Marktforschung kommen denn die Visualisierungs-Tools konkret zum Einsatz?

Da es ja in fast allen Bereichen der Marktforschung um das Erfassen oder Vermitteln komplexer Informationen geht, ist das Einsatzspektrum ziemlich groß. Das geht los beim Angebot, in dem eine spezielle neue Forschungsmethode bildlich erklärt wird. Auch bei der Datenerhebung spielt Visualisierung eine große Rolle: Zum Beispiel wenn unseren Gesprächsteilnehmern als Stimulusmaterial Bilder vorgelegt werden oder wenn wir die gewonnenen Erkenntnisse live nicht nur schriftlich fixieren, sondern auch direkt als schnelle Zeichnung festhalten. Zudem bereiten wir bei Workshops mittlerweile sämtliche Materialien wie Teilnehmer-Booklets oder Flipcharts visuell auf.

Bild9
Hier geht’s zur Sache… GIM Research Manager Christina Piper hat nicht nur beim Zeichnen ein talentiertes Händchen.

Gibt es auch so etwas wie ein Haupteinsatzgebiet?

Die Visualisierung kommt vor allem bei unseren Berichten zum Einsatz. Hier steht das Verdichten von Information ja besonders stark im Fokus und da können Illustrationen tolle Dienste leisten. Ein Beispiel: ein klassisches Forschungsanliegen in der MaFo ist ja das Identifizieren und Beschreiben von Zielgruppen-Typen. Diese kann man im Bericht entweder traditionell per Text definieren, in dem man eine Fülle an Charakteristika auflistet. Das geht natürlich, ist aber etwas sperrig und nicht so intuitiv. Stattdessen kann man – und das praktizieren wir immer häufiger – ein passendes Bild von jedem Typen malen, das eine Vielzahl an Details auf einen Blick vermittelt und sich noch dazu sehr gut einprägt.

So wie in der kauFRAUsch-Studie der GIM? Für den Ergebnisbericht hast du ja die Illustrationen gemacht, die unglaublich gut angekommen sind!

Genau. In der KauFRAUsch-Studie ging es darum, das heutige Online-Shopping-Verhalten von Frauen zu untersuchen. Dabei wurden typische Gewohnheiten ermittelt, wie z.B. das Nutzen des Warenkorbs als ‚Parkplatz‘ für Wunsch-Produkte oder die starke Orientierung an vertrauten Shops bei gleichzeitig hoher Skepsis gegenüber unbekannten Anbietern. Aus den Ergebnissen der Studie wurde dann eine sehr schöne und professionell Informationsbroschüre erstellt, für die ich auch einige Illustrationen beisteuern durfte. Und wie ich gehört habe, war die Broschüre auf der letzten großen Branchen-Messe Research & Results wohl der Renner und am Ende restlos vergriffen. Das lag mit Sicherheit vor allem am spannenden Thema, aber eine schöne Optik und interessante Bilder wecken eben auch Aufmerksamkeit und Neugier.

Website-Kriterien02
Ein echter Hingucker: Nicht zuletzt aufgrund der tollen Illustrationen war die Informationsbroschüre zur kauFRAUsch-Studie der GIM auf der Branchen-Messe Research & Results innerhalb weniger Stunden restlos vergriffen.

Jetzt hast du schon einige Benefits genannt. Noch mal allgemein gefragt: Welchen Mehrwert kann die Visualisierung der Marktforschung denn noch bringen?

Der Hauptvorteil ist natürlich, wie bereits erwähnt, dass Information durch Visualisierung sehr schnell erfasst werden kann und dass komplexe Sachverhalte sehr leicht und intuitiv verständlich werden. Der Mensch erfasst seine Umwelt ja primär, soweit ich weiß, zu 70-80 Prozent über den Sehsinn. Somit sind Bilder eigentlich der mit Abstand natürlichste Weg der Informationsaufnahme. Illustrationen bleiben darüber hinaus auch weit besser im Gedächtnis als reine Textinhalte und sie wecken Aufmerksamkeit, lockern auf, sind Hingucker und können als Blickanker durch größere Informationsmengen führen. Und last but not least, sind sie meistens auch einfach schön, machen Spaß und erfreuen das Auge! 🙂

Warum wählt man dann nicht das Medium Fotografie? Ist das nicht viel einfacher in der Umsetzung?

Fotografien – und damit beziehe ich mich an dieser Stelle auf Bilder, die man nicht extra anfertigt, sondern aus Archiven, dem Internet, etc. holt – haben an vielen Stellen sicherlich auch ihre Einsatzberechtigung. Vor allem dann, wenn es schnell gehen muss und Standardmotive ausreichen.

Bild16
Gegenüber der Fotografie haben Illustrationen den entscheidenden Vorteil, dass ihren Darstellungsmöglichkeiten keine Grenzen gesetzt sind.

Aber besonders in Situationen, in denen wir sehr spezifische, passgenaue Aussagen treffen wollen, wie etwa im oben genannten Fall der Zielgruppen-Typen, werden wir mit Fotos nicht auskommen. Sie können niemals genau das abbilden, was wir vermitteln möchten. Hier liegt die große Stärke der Illustration oder Zeichnung! Auf Wunsch kann sie alles abbilden, was man sich in der Phantasie ausmalt, sie ist völlig frei in ihren Darstellungsmöglichkeiten.

Wenn wir mal die Perspektive wechseln: Wie kommen Visualisierungen bei den Kunden an?

Hier haben wir vielfach schon tolles und wirklich motivierendes Feedback bekommen. Neben der Tatsache, dass die Illustrationen die zu vermittelnde Information super auf den Punkt bringen, wurde häufig gelobt, dass unsere visuell aufbereiteten Berichte oder Workshop-Unterlagen einfach etwas Besonderes sind und so nicht zum Branchen-Standard gehören. Mit Visualisierung kann man also auch Wertschätzung vermitteln und den Kunden etwas anbieten, was ihre Erwartungen übertrifft! Wir haben auch schon oft mitbekommen, dass unsere Bilder auf Kundenseite die Runde machen und sozusagen als Ergebnis-Kondensat für weitere interne Präsentationen eingesetzt werden. Das freut einen natürlich sehr!

Security03
Sind Sie an den Ergebnissen der aktuellen KauFRAUsch-Studie interessiert? Dann klicken Sie bitte hier und Sie gelangen direkt auf die Studienwebsite mit der Möglichkeit, die Studie kostenlos anzufordern.

Das kann es auch! Okay, nehmen wir mal an es soll eine neue Illustration angefertigt werden: Wie kann man sich den Ablauf von der Idee bis zur Umsetzung vorstellen? Wie gehst du vor?

Die Ideenfindung wird mir meistens abgenommen, weil die Kollegen schon mit einem Motivwunsch an mich herantreten. Wir besprechen dann lediglich wie das Bild, das in den Köpfen der Kollegen manchmal noch etwas vage ist, ganz konkret in einer Illustration umgesetzt werden kann. Wenn es um Berichts-Illustrationen  geht, gehe ich anschließend so vor: Zunächst fertige ich Entwürfe auf Papier mit Bleistift an und hole mir dann Feedback ein, ob die Zeichnung der Vorstellung des Kollegen entspricht. Dann erst starte ich mit der eigentlichen Umsetzung, indem ich die Entwürfe einscanne und sie in Photoshop anlege – je nach gewünschtem Aufwand in Schwarz-Weiß, Graustufen oder Farbe. Das Ergebnis ist dann ein digitales Bild, das man einfach vervielfältigen und in unterschiedlichen Medien einsetzen kann.

Und wenn es nicht um Berichte geht?

Wenn es um Flipcharts für Workshops oder Ähnliches geht, ist die Vorgehensweise natürlich eine andere: dann wird nur kurz vorskizziert und dann direkt auf das finale Medium gezeichnet oder gemalt.

Bild10
Eeeendlich! Der erhoffte Ausgleich! Da kommt Freude auf…

Okay, verstehe. Und gibt es beim Zeichnen und Visualisieren wichtige Dos and Don’ts, die man beachten sollte?

Oh, das ist natürlich ein weites Feld. Wichtig ist aber vor allem: Don’ts gibt es eigentlich keine – erlaubt ist alles, was funktioniert. Und ein wichtiger Tipp: Man sollte keine Scheu davor haben, woanders „abzugucken“! Wenn ich ein neues Motiv umsetzen möchte, weiß ich oft nicht wie es am Ende genau aussehen soll. Dann gehe ich ins Internet, gucke mir ähnliche Bilder an und hole mir ein bisschen Inspiration! Das ist nicht verboten, sondern hilft dabei zu lernen und sich weiter zu entwickeln.

Jetzt haben wir so viel über Visualisierung gesprochen: Gehören das Zeichnen und Illustrieren eigentlich zu deinen privaten Hobbys? Oder teilst du auch noch andere Leidenschaften?

Zu beidem: Ja! Klar zeichne und illustriere ich auch privat. Ohne regelmäßiges Üben kommt man nur schwer voran… Zum Glück macht mir Zeichnen aber so viel Spaß, dass ich das nicht als Mühe empfinde. Und ja, neben dem Zeichnen habe ich auch noch ein paar andere Leidenschaften: an erster Stelle stehen da Tanzen und Schokolade 🙂

Bild15

Perfekte Kombination würde ich sagen! Super Tina, ich danke Dir für das tolle Gespräch. Wir sehen uns spätestens beim nächsten Lunch&Draw – ich freu mich drauf! Und das Kickern hat auch ganz gut geklappt 🙂

Haha. Überraschenderweise ja – wobei es wohl trotzdem keine neue Leidenschaft wird. Du warst aber auch eine sehr faire Gegnerin. Danke für das nette Gespräch!

Tina Pieper

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte direkt an GIM Research Manager Christina Piper (C.Piper@g-i-m.com) oder GIM Senior Research Director Patricia Blau (P.Blau@g-i-m.com).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.