Vilnius: Hauptstadt Litauens und Unesco Weltkulturerbe

Anfang der Woche hatte ich Euch von meinen Eindrücken in Trakai berichtet. Nun ziehen wir mit dem kleinen Eriba Puck weiter nach Vilnius. Die Hauptstadt ist mit ihren ca. 526.000 Einwohner zwar nicht mit Weltmetropolen wie Berlin oder London vergleichbar, trotzdem: Vilnius hat unglaublich viel Charme und Flair und zieht jede Menge junge Leute an. Was einem hier sofort auffällt: Insgesamt wirken alle sehr entspannt, das steckt natürlich an 🙂 Hier geht es zum Reisebericht…

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Oben links: In Vilnius kann man nicht nur gut litauisch essen. Unten links: Versteckt im Hinterhof befindet sich ein kleines portugiesisches Restaurant. Rechts: Hinten ist die St. Katharinenkirche zu sehen und im Vordergrund stehen die Ruinen des ehemaligen Dominikanerklosters. Alle Fotos: Dominique Facciorusso.

Seit 1994 zählt die Altstadt von Vilnius zum UNESCO Weltkulturerbe. Architektonisch hat die litauische Hauptstadt viel zu bieten: Die Palette reicht von Barock und Gotik, über Renaissance und Klassizismus bis hin zum Jugendstil. Neben diesem Mix aus verschiedenen Epochen alter Baukunst entsteht ein junges, modernes, kreatives, vielfältiges und alternatives Vilnius – eine Stadt voller Kontraste also, die in jedem Fall eine (längere) Reise wert ist.

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Oben: Im Szeneviertel Užupis gibt es jede Menge Grafitti und Street Art. Unten links: In der Altstadt gibt es viele nette kleine Cafés. Alle Fotos: Dominique Facciorusso.

Zwischen prunkvollen historischen Bauten und restaurierten Wohnhäuser sieht man beim Flanieren durch die Stadt auch stark vom Zerfall betroffene Objekte und historische Ruinen. Doch es ist grade das Unperfekte, das Vilnius so faszinierend und anziehend macht. Man will einfach losziehen und diesen Ort entdecken. Für alle, die gerne mehr über die Geschichte der Stadt erfahren möchten, aber nichts für einschläfernde Vorträge übrig haben, empfiehlt sich eine Free Walking Tour. In der Regel werden die Führungen von Studenten gehalten, die mit erfrischenden Anekdoten und viel Insiderwissen die Touren zu einem besonderen Erlebnis machen. Wie das Wort „Free“ schon verrät, sind die Touren kostenlos, aber natürlich freuen sich die ambitionierten Guides über einen entsprechenden Obolus.

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Links oben: Die römisch-katholische St. Annen-Kirche steht in der Altstadt von Vilnius. Links unten: Passiert man den Fluss Vilnia, gelangt man von der Altstadt in das Künstlerviertel Užupis. Rechts: Street Art in Užupis. Alle Fotos: Dominique Facciorusso.

Was gibt es in Vilnius wie Sand am Meer? Zumindest gefühlt… Richtig: Kirchen. Wo man auch hinsieht, überall ragen Sakralbauten ihre Hälse in den Himmel. Auf einem Hügel nördlich der Stadt steht die Obere Burg mit dem Gediminas-Turm. Von dort aus hat man einen herrlichen Panoramablick über die Stadt. Was auch sehr zu empfehlen ist: Ein Blick in die Hinterhöfe der Häuser. Von der Straße nicht einsehbar, zeigt sich hinter den Mauern so mancher mit Blumen und Bäumen begrünter und liebevoll gepflegter Schatz.

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Links oben: Klein aber fein – Rūdninkų knygynas in der Altstadt verkaufen Bücher, Magazine und Vinyl (neu sowie gebraucht). Links unten: Die St. Katharinenkirche im Spätbarockstil. Rechts: Street Art wohin das Auge reicht. Alle Fotos: Dominique Facciorusso.

Kommen wir zu meinem persönlichen Highlight der Stadt: Das Künstlerviertel Užupis (dt.: hinter dem Fluss), ein Bezirk östlich der Altstadt. Getrennt werden die Stadtteile von einem kleinen Fluss namens Vilnia, auf dem man übrigens auch rudernd die Stadt erkunden kann. In Užupis haben sich seit den 1990er Jahren viele Künstler, Kreative, Aktivisten und junge Studenten angesiedelt und den vorher stark vernachlässigten Bezirk zu einem der begehrtesten Szeneviertel der Stadt aufgewertet. In den Hinterhöfen findet man kleine Galerien und Ateliers litauischer Jung-Designer, die mit ihrem besonderen Stil auch international auf sich aufmerksam machen. Nicht nötig zu erwähnen, dass ich meine Garderobe „etwas“ erweitert habe 🙂

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Links: Guerilla bzw. Urban Knitting in der Altstadt, nähe Užupis. Alle Fotos: Dominique Facciorusso.

Was ist noch besonders an Užupis? Die Bewohner haben am 01. April 1997 den Stadtteil zum „Staat der Engel“ erklärt, der von Vilnius und dem Rest von Litauen unabhängig ist. Auf dem zentralen Platz steht ein bronzener Engel, das Wahrzeichen der Republik. Es gibt auch einen Präsidenten, einen Regierungssitz (Restaurant Uzupio Kavine), eine Verfassung (siehe unten) und Botschafter der Republik wie etwa den Dalai Lama. Laut Verfassung hat etwa jeder das Recht Fehler zu machen, zu lieben, faul, still, einmalig, glücklich oder unglücklich zu sein. Witzig ist auch: „Ein Hund hat das Recht ein Hund zu sein.“ und „Eine Katze ist nicht verpflichtet, ihren Besitzer zu lieben, aber muss in Notzeiten helfen.“

Verfassung Uzupis

Wie das mit Szenevierteln nun mal ist, sind auch hier die Immobilienpreise in den letzten Jahren stark angestiegen. Investoren entdecken den Bezirk zunehmend für sich und restaurieren die verfallenen Häuser. Wer also das Viertel noch in seiner authentischen Ursprünglichkeit erleben möchte, sollte dies bald tun, bevor das Unperfekte seiner geleckten Version gewichen ist. Auch einen Abstecher wert: Jeden Freitag (von März bis September) gibt es den Food Markt „Open Kitchen“ mit leckerem Essen und toller Musik – ein perfekter Start ins Wochenende!

Open Kitchen Season Closing from Kamera on Vimeo.

Seht euch hier ein cooles Image-Video über Vilnius an…

Dominique Facciorusso

Lest bald den letzten Teil meines Reiseberichts an dieser Stelle…

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Comments (2)

[…] verlassen Vilnius und streifen weiter durch Litauen Richtung Nordosten. Ab nun heißt es Endspurt… Denn nach […]

[…] gibt es an dieser Stelle den insgesamt dritten Teil des Reiseberichts – wir verbleiben dabei vorerst noch in […]

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