Superfood: Wundermittel oder Marketingstrategie?

Superfoods sind groß im Trend: In den Medien und Food-Blogs tummeln sich die Beiträge über die Heilsbringer, in angesagten Vierteln poppen zahlreiche Läden auf, in denen alles healthy, detox, vegan, roh und bio ist und auch in den Supermärkten verläuft der Vertrieb von Superfood-Produkten auf Hochtouren. Goji, Acai und Spirulina versprechen Schönheit, Gesundheit und Energie und klingen dabei wunderbar exotisch – im Gegensatz zu Maulbeeren oder Leinsamen. Fachexperten warnen jedoch vor den versprochenen Wunderwirkungen und sehen in der Verwendung des ungeschützten Begriffs „Superfood“ einen Marketing-Trick.

Rote Goji-Beeren aus China, schwarze Samen der südamerikanischen Chia-Pflanze und Quinoa aus Peru – so heißen die Lebensmittel aus fernen Ländern, die derzeit unter dem Begriff „Superfoods“ auf dem Speiseplan der gesundheitsbewussten Esser stehen. Gemäß dem Motto „wenig Masse – aber große Wirkung“ werden den Superfood-Produkten große Effekte nachgesagt: Sie sollen Energie geben, das Immunsystem stärken, verjüngend wirken, bei Erschöpfung und Müdigkeit aber auch Schlafstörungen helfen, Krankheiten vorbeugen, wenn nicht sogar heilen. Alles in allem sollen sie uns also zu einem besseren Leben verhelfen und werden von vielen als die Wunderwaffe in Sachen gesundheitsbewusster Ernährung gehypt.

_Viktor Hanacek
Es gibt auch regionale Alternativen zu populären Superfoods. CC BY Viktor Hanacek. Bildquelle: Picjumbo.

Und in der Tat: Die vielversprechenden Lebensmittel finden großen Anklang in zahlreichen Kochbüchern, Foodblogs, Medienbeiträgen, Speisekarten der Gastronomie sowie im Einzelhandel. Nicht nur Bioläden und Bio-Supermärkte bieten ein breites Sortiment an Superfood-Artikeln an, sondern auch in konventionellen Supermarktketten, Discountern und Drogeriemarktketten lassen sich die Produkte in den Regalen finden. Für viele sind die Lebensmittel neben ihrer gesundheitlichen Aspekte aber auch einfach nur eine willkommene Abwechslung auf dem Teller. Für diejenigen, die gerne den Kochlöffel schwingen und dabei immer wieder gerne etwas Neues ausprobieren, bieten die Exoten jede Menge kulinarischen Spaß und bunte Vielfalt in der Küche.

Wie gesund die Superfoods allerdings wirklich sind, konnte bislang nicht eindeutig belegt werden. So enthalten etwa Goji-Beeren eine Fülle an Antioxidantien, die freie Radikale im Körper im Zaum halten und auch das Weizengras kann insgesamt zu einer gesunden Ernährung beitragen. Trotzdem liegen aus wissenschaftlicher Sicht keine einschlägigen Erkenntnisse vor, die die enorme gesundheitsfördernde Wirkung bestätigen. Zudem gehört zu einem gesunden Lebensstil mehr, als sich nur von Superfoods zu ernähren. Des Weiteren gibt es keine rechtlich bindende Begriffsdefinition, weshalb Verbraucherschützer und Ernährungswissenschaftler den Begriff vor allem als Marketingstrategie verstehen.

By Monstruo Estudio
CC BY Monstruo Estudio. Bildquelle: Stocksnap.

Superfood ist zudem eines: superteuer – so Ernährungswissenschaftlerin Angela Clausen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Dies liege vor allem am Marketing, den langen Transportwegen und den hohen Margen für die Händler. Die Lebensmittel kommen außerdem meist aus weit entfernten Ländern, was zum einen schlecht für die CO2-Bilanz ist und zum anderen dazu führt, dass die Produkte nicht frisch bei uns ankommen. In den meisten Fällen werden Superfoods getrocknet, als Pulver oder Extrakt angeboten, wodurch der Nährstoffgehalt im Vergleich zum frischen Produkt deutlich sinkt. Alternativ könnte man sich also auch an heimischen Vitaminbomben bedienen, die ebenfalls viele wertvollen Inhaltsstoffe enthalten.

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Öko-Test wurden 22 Superfood-Produkte getestet. Das Ergebnis ist leider gar nicht „super“: Für 15 der untersuchten Artikeln lautete das Gesamturteil „ungenügend“ oder „mangelhaft“ aufgrund problematischer und teils gesundheitsschädlicher Inhaltsstoffe. Nur zwei Produkte erhielten das Prädikat „sehr gut“ und „gut“. Viele der Superfoods waren mit Mineralöl, Blei, Cadmium und Pestiziden belastet – zwei Produkte wurden sogar als nicht verkehrsfähig eingestuft. Das Fazit von Öko-Test lautet daher, dass Superfoods überflüssig seien, da heimische Lebensmittel uns mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen, die wir täglich brauchen.

 

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