Strom aus T-Shirt: Forscher stellen Prototypen vor

Der weltweite Bedarf an Strom wächst. In den kommenden 20 Jahren soll der Energiebedarf im Vergleich zu heute um rund 25% steigen. Ideen, wie Teile dieses wachsenden Bedarfs unkonventionell gedeckt werden können, gibt es viele – in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Von den längst etablierten Solarzellen bis hin zu Bodenplatten in Discos, die beim darauf Tanzen nachgeben und durch die Bewegung Strom für die Lichtanlage generieren: die Bandbreite ist groß.

Das E-Textil: T-Shirt betreibt LEDs

Eine Innovation stellten nun Forscher der spanischen Universität Málaga (UMA) und des Italienischen Instituts für Technologie (IIT) in Genua vor: Ein T-Shirt, das durch den Temperaturunterschied zwischen Körper und Außenluft Energie erzeugen kann.

Dieses Schema veranschaulicht das Prinzip, nach dem ein T-Shirt Energie gewinnen kann. Bild: UMA

Wie das funktioniert? Auf ein T-Shirt aus Baumwolle wird eine erhitzte Lösung aus Wasser, Ethanol, der Haut von Tomaten und Karbon-Nanopartikel gegeben. Die Lösung dringt in den Stoff ein und bleibt haften. Das T-Shirt erhält somit elektrische Eigenschaften und kann entsprechend Strom erzeugen. Berichten zufolge kann solch ein Shirt aktuell bereits LED-Lichter betreiben. Die Forscher arbeiteten daran, dass beispielsweise auch Telefone aufgeladen werden können.

Die Materialien: Nachhaltig und günstig

Auch die Inhaltsstoffe machen das Projekt innovativ. Statt Metallen werden Tomaten, Wasser und Karbon verwendet. Die Kosten und die Umweltbelastung sind damit vergleichsweise gering. Die Anwendungsmöglichkeiten der E-T-Shirts scheinen dabei vielfältig: Sportler im Winter könnten nur durch ihre Körperwärme Strom produzieren. Genauso könnte man aber auch längerfristig mit dieser Technologie auf verschiedenste Oberflächen Energie gewinnen, die Wärme ableiten.

Die Forscherin Susana Guzmán mit einem E-Textil-Prototypen, in einem Labor der Naturwissenschaftlichen Fakultät der UMA.

E-Textilien: Technologische Erweiterung in erster, zweiter und dritter Generation

Dass Kleidungsstücke technologisch aufgerüstet werden, ist kein neues Phänomen. Bereits vor Jahren haben verschiedene Sportartikelhersteller zum Beispiel Tracker für Laufschuhe angeboten, sodass Strecke und Geschwindigkeit später analysiert werden können. Diese Art der technologischen Erweiterung nennt sich „First Generation E-Textile“.

Die „zweite Generation“ umfasst Kleidungsstücke, bei denen Sensoren oder andere Technik bereits in den Stoff eingearbeitet wird. Bei der dritten Generation – und hier ist das E-Textil der Forscher aus Italien und Spanien einzuordnen – ist der Stoff Hauptakteur der Technik. Man kann dabei auch unterscheiden, ob Kleidungsstücke mit passiven Sensoren Daten erheben oder aber mit aktiver Technik zum Beispiel Strom oder Licht selbst produzieren.

Aktuell ist beim Strom produzierenden E-Textil nur vom Prototyp die Rede, aber diese Technologie kann in Zukunft durchaus spannend sein, um geringe Strombedarfe autark zu decken. Dazu werden die Forscher weiter an dem Projekt arbeiten. Wir sind in jedem Fall gespannt und bleiben für Euch am Ball.

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