Spazieren mit Abstand: Der Social Distancing Park

05. Mai 2020 | Laura Bechtold
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ktuell gewinnen Parks im städtischen Raum eine neue Relevanz: Als Abwechslung zu den eigenen vier Wänden zieht es viele Städter auf die Grünflächen – besonders bei dem aktuell so schönen Wetter. Social Distancing wird dabei jedoch teils zur Herausforderung, nicht immer kann beim Joggen und Spazierengehen in der Stadt der nötige Mindestabstand eingehalten werden. In vielen Städten wurden deswegen die Parkanlagen vorübergehend geschlossen. Um in Zeiten der Corona-Pandemie einen Parkspaziergang mit der nötigen Distanz zu ermöglichen, haben die Designer des österreichischen Studio Precht’s den „Parc de la Distance“ entworfen. Die Leitfrage: Wie würde ein Park aussehen, der die Regeln der physischen Distanz als Gestaltungsrichtlinie aufgreift?

Ein Labyrinth ohne Verirren

Aus der Vogelperspektive erinnert der Social Distancing Park an ein Labyrinth, das spiralförmige Muster gleicht einem Fingerabdruck. Verlaufen kann man sich allerdings nicht: Anders als im Labyrinth gibt es keine Abzweigungen und keine Sackgassen. Jeder Pfad hat einen Ein- und einen Ausgang und nur eine Laufrichtung – so wird der Park den Social Distancing Regeln gerecht. Als Inspiration dienten den Designern vom Studio Precht hierbei japanische Zengärten und französische Barockgärten: Hecken und Kies, klare Linien und geometrische Formen.

„Physical distance with a human touch“: Der Park hat das Muster eines Fingerabdrucks (Bild: Precht)
Die Hecke für die soziale Distanz

Und wie genau funktioniert das Social Distancing im „Parc de la Distance“? Die Pfade werden jeweils von hohen Hecken voneinander getrennt, somit haben die Wege einen Abstand von 2,4 Metern. Jede Route hat einen Ein- und einen Ausgang, man befindet sich also auf einer Einbahnstraße ohne Gegenverkehr. An den Eingängen zeigen Tore jeweils an, ob eine Route bereits belegt ist. Die Routen können alle gleichzeitig genutzt werden, ohne dass man sich in die Quere kommt. Dabei ist jeder Weg 600 Meter lang und man benötigt circa 20 Minuten für einen Spaziergang.

Eine Beispielroute im Park – 20 Minuten dauert ein Spaziergang. (Bild: Precht)
Social Distancing aus verschiedenen Perspektiven

Bei einem Spaziergang durch den Park soll es mehr zu entdecken geben, als man vielleicht im ersten Moment vermutet. Dafür sorgen vor allem die Hügel im Park. Spaziergänger laufen auf verschiedenen Höhen und können so den Park aus unterschiedlichen Perspektiven erkunden. Hierbei sieht man häufig mehr als nur Hecken links und rechts, auf halben Weg in der Mitte sollen beispielsweise einige Brunnen installiert werden. Und auch wenn man keinen Personen begegnet, die Schritte der anderen Spaziergänger hört man umso besser auf dem roten Kiesuntergrund.

„Real escape“ statt „real estate“: Social Distancing im Parc de la Distance (Bild: Precht)
Die Distanz – nur ein Krisenphänomen?

Aber wird der Parc de la Distance auch langfristig die Bedürfnisse der Menschen erfüllen? GIM foresight beschäftigt sich aktuell im Rahmen der GIM Zukunftsstudie Values&Visions 2030 mit den Werteveränderungen durch die Corona-Pandemie. „Social Distancing ist ein Krisenphänomen. Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass sich die Menschen für die Zeit nach Corona nach Gemeinschaft, Genuss, Zusammensein und Freiheit sehnen.“, erklärt GIM foresight Director Dr. Hannes Fernow. „Sollte die Corona-Krise und die damit einhergehenden Kontaktbeschränkungen noch länger andauern, wird dies sicherlich auch Auswirkungen auf die Stadtplanung haben. Allerdings sollten die Post-Krisen-Bedürfnisse nach Nähe und Gemeinschaft hierbei bereits mitgedacht werden.“

Ein Rückzugsort mitten in der Stadt

Für das Studio Precht könnte der „Parc de la Distance“ auch nach der Corona-Pandemie Möglichkeiten bieten, um im urbanen Umfeld in die Natur zu entfliehen und Erholung zu finden. Chris vom Studio Precht beschreibt seine Philosophie wie folgt: „City centres should not be definded by their real-estate, but rather by their real escape“. In der Öffentlichkeit aber für sich alleine: Der Parc de la Distance soll dieses Erlebnis ermöglichen. Ob das Projekt realisiert wird, ist noch unklar. Entworfen und vorgeschlagen wurde es für eine Freifläche in Wien.

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