GIM – Auch architektonisch im Spannungsfeld zwischen Tradition & Innovation Teil 1

Der Heidelberger Hauptsitz der GIM befindet sich seit nun mehr sieben Jahren im historischen Anwesen in der Goldschmidtstraße 4. Das Institut hat aufgrund seines permanenten Wachstums in den letzten fast 30 Jahren räumlich so manche Stationen durchzogen, bevor es in der Weststadt den Repräsentativbau erwarb. Was Gäste immer wieder beeindruckt, ist zum einen die historische Atmosphäre, die das Gebäude ausstrahlt, und zum anderen die Leichtigkeit, die durch das innovative Design und die Kunst im Innern zur Geltung kommt. GIM Radar sprach mit der Geschäftsführung über das Spannungsfeld zwischen architektonischer Tradition und innovativem Design und, damit verbunden, über die Geschichte der GIM.

Hallo Herr Kampik und Herr Teuber! Wie schön, dass Sie die Zeit gefunden haben, uns etwas über den Heidelberger Hauptsitz der GIM zu erzählen. Als ich das erste Mal hierher kam, war ich wirklich begeistert von der Lage und dem Flair, den das Gebäude umgibt. Aber das hören Sie sicher nicht zum ersten Mal!

Teuber: In der Tat. Wir haben immer wieder Kunden, die hierher kommen und total begeistert sind. Auch von den Mitarbeitern erhalten wir immer wieder das Feedback, dass hier eine gute Atmosphäre herrscht. Es war uns auch immer schon wichtig, dass sich unsere Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz wohl fühlen.

Vielleicht können Sie mir zunächst etwas zur Historie des Gebäudes erzählen?

Kampik: Der Bau wurde als Dienstgebäude der Großherzoglichen Bad-, Wasser- und Straßenbauinspektion und der Kulturinspektion im Jahr 1900/01 vom Bezirksbauinspektor Julius Koch für die Oberdirektion des Wasser- und Straßenbaus entworfen und 1904/05 erbaut. Das Haus wurde seither auch ausschließlich als Bürogebäude genutzt.

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Kampik: „Wie man an dem Foto von 1910 gut sehen kann, gab es damals in der Rohrbacher Straße noch Straßenschienen und Pferdekutschen. Das Umfeld um das Haus ist sonst aber relativ konstant geblieben. Man erkennt es sofort wieder, es ist fast unverändert.“ (Quelle: Stadtarchiv Heidelberg)

Was würden Sie sagen, zeichnet dieses Gebäude im Speziellen aus?

Kampik: Zum einen die Architektur natürlich. Stilistisch wurde das Haus in den Formen der nordischen Renaissance ausgestaltet. Auffallend sind die markanten, übergiebelten Risaliten, das Quadratmauerwerk aus Sandstein oder die repräsentativen Zugänge mit Säulenarkaden und hölzernen, genieteten Türen. Der Bau impliziert eine gewisse architektonische Schwere, etwas Massives.

Teuber: Das Haus hat natürlich als ehemalige staatliche Behörde auch eine Geschichte, das ist klar. Die Garagen im Hof sind bspw. in der Zeit des Nationalsozialismus gebaut worden. Uns liegt aber ein genehmigter Bauplan für eine Erweiterung des Hauptgebäudes durch ein angrenzendes Nebengebäude im Hof vor, der einen Abriss der Garagen zur Folge haben wird. Weiterhin hat der Heidelberger Gemeinderat vor drei Jahren die Umbenennung der  Treitschkestraße beschlossen, die seither den Namen Goldschmidtstraße trägt.

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Mit seinen Publikationen lieferte Heinrich von Treitschke in den 1870er Jahren eine weit verbreitete Argumentationsgrundlage eines bürgerlichen Antisemitismus. Die Umbenennung der Straße erfolgte im November 2011. Fotograf: Kurt Imminger

Kampik: Das Gebäude zeichnet natürlich auch seine besondere Lage aus. Die Heidelberger Weststadt ist reich an schönen Kulturdenkmälern und Grünflächen und zählt zu den begehrtesten Wohnvierteln Heidelbergs.

Wie kam es dazu, dass Sie sich damals bei der Auswahl für den neuen Heidelberger Sitz der GIM für genau dieses Gebäude entschieden haben? 

Kampik: Um das zu verstehen, sollte man vielleicht einen kurzen Blick auf die Chronologie der bisherigen Standorte der GIM werfen: Wir starteten 1985 in der Hauptstraße 70 in einem kleinen Büro mit 70 qm, die Toilette war auf dem Flur (lacht). 1988 übernahmen wir dann die Büroräume des süddeutschen Rundfunks im Schloß-Wolfsbrunnenweg mit einer Fläche von 180 qm. Eine sehr schöne romantische Zeit mit Rehen und Füchsen im Garten (lachen beide). Die nächste Station war dann die Maaßstraße im Jahr 1994/5 mit Büroräumen in einem Glas-Stahl-Funktionsgebäude im Gewerbegebiet in Wieblingen. Dort vergrößerten wir uns auf knapp 500 qm. 1999 sind wir dann in die Berliner Straße umgezogen. Das war ein funktionaler Kubus-Bau aus den 60er Jahren. Wir hatten dort fünf Stockwerke mit je 120 qm.

Teuber: Nach ein paar Jahren mussten wir eine weitere Etage in einem benachbarten Haus anmieten, da nach der Gründung der Quantitativen Abteilung der Bereich stetig wuchs. Auch hier war irgendwann klar, dass man sich nach neuen Räumlichkeiten umsehen muss.

Kampik: Wir peilten um die 1500 qm an und das ist für Heidelberg wirklich schwer. Per Zufall sind wir dann auf ein Angebot des Landes Baden-Württemberg gestoßen.

Teuber: Wir hatten das jetzige GIM-Gebäude auch vorher schon mal irgendwo gesehen und ich zumindest habe es eigentlich eher abgelehnt, weil es so extrem verschnörkelt wirkte.

Kampik: Stimmt, wir sind mal daran vorbei gefahren und der spontane Eindruck war: Die GIM steht für innovative Marktforschung und dann haben wir hier so ein Zuckerbäcker-Häuschen. Spontan hat uns das also nicht gefallen. Als wir uns das Gebäude später aber von innen angesehen haben, waren wir begeistert.

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Der Heidelberger Hauptsitz der GIM in seiner ganzen Präsenz.

Teuber: Die Entscheidung für dieses Gebäude war im ersten Schritt natürlich zunächst eine zweckmäßige. Es gab fast keine geeigneten Büros in entsprechender Größe. Zum anderen war es aber auch eine positive Entscheidung. Der Standort ist in Heidelberg, das Gebäude atmet Geschichte, ist repräsentativ und ist langfristig angelegt. Das sind alles Werte, für die die GIM auch stehen soll. Zudem ging es uns in all den Auswahlprozessen vor allem immer um die Arbeitsqualität, sprich dass sich die Mitarbeiter wohl fühlen. Soweit wir Feedback bekommen haben, ist uns das hier auch gelungen.

Wie ging es nach dem Erwerb der Immobilie weiter? Es standen bestimmt jede Menge Renovierungsarbeiten an?

Kampik: Das kann man sagen. Der Kauf war im frühen Herbst, und von Oktober bis Februar des folgenden Jahres haben wir alles unter Hochdruck umgebaut. Das war schon eine größere Investition. Uns ging es primär darum, noch mehr Atmosphäre hier rein zu bekommen.

Boden verlegen und Treppenhaus
Zwei Drittel der Böden im Haus wurden neu mit Parkett verlegt.

Teuber: Die Räume hatten Linoleumböden und sahen wirklich aus wie ein leicht heruntergekommenes Krankenhaus. Bei der Übernahme gab es im Keller bloßen Betonboden und die Größenaufteilung der Räume war teilweise sehr ungünstig.

Kampik: Das Spitzdach war damals eine Lagerstätte für allerlei kaputte Türen, Fenster und Baustoffe. Dort hatte sich über die Jahre so einiges angesammelt. Mit einem intelligenten Umbau konnten wir dort weitere 80 bis 90 qm (Dachschräge bereits abgezogen) Bürofläche dazu gewinnen.

Teuber: Im Februar 2007 sind wir dann mit unseren circa 50 Mitarbeitern hier eingezogen.

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Vorher-Nachher: Das zeitlose Design der USM Haller Möbel prägt heute das Innere der GIM und sorgt in den historischen Mauern für eine Atmosphäre der Leichtigkeit.

Kampik: Wir hatten damals Kapazitäten für 80 Personen. Vor dem Hintergrund der dynamischen Entwicklung der GIM wollten wir aber genügend Optionen haben, uns räumlich auch noch weiter entwickeln zu können. So ist daraus die Baugenehmigung für die Errichtung eines neuen Büroanbaus im Hof entstanden, wie vorhin erwähnt. Der Anbau trägt ein Volumen von knapp 280 qm, d.h. wir können und werden uns voraussichtlich in Zukunft noch vergrößern.

Vorher nachher Dach
Vorher-Nachher: Mit viel Arbeit und Fingerspitzengefühl wurde aus dem staubigen Dachstuhl eine zusätzliche Bürofläche mit Wohlfühl-Atmosphäre geschaffen. Die Mitarbeiter haben von ihrem Arbeitsplatz aus einen herrlichen Blick auf den Königsstuhl. Unteren beiden Bilder, Fotograf: Kurt Imminger.

Was waren die spektakulärsten Renovierungsarbeiten?

Kampik: Es gab so einige massive Baumaßnahmen wie den Ausbau des Dachstuhls oder die Innen- und Außendämmung des ganzen Hauses. Die Decke des jetzigen Diskussionsraums wurde damals durch Säulen gestützt, die wir alle durch eine Balkenkonstruktion ersetzt haben. Zwei Drittel der Fußböden im Haus wurden mit neuem Parkett verlegt, Wände wurden eingezogen und Dutzende Kilometer an Kabeln verlegt. Vom Spitzdach ausgehend mussten aus baurechtlichen Gründen zwei Treppen gebaut werden, die als Fluchtweg dienen.

Teuber: Wir haben ein sogenanntes druckloses Injektionsverfahren zur nachträglichen Horizontalabdichtung im Untergeschoss durchführen lassen, das die Kapillarität der Sandsteinmauer unterbricht. Der Keller war vorher sandsteintypisch feucht und nur eingeschränkt nutzbar. Wir konnten so jede Menge Platz gewinnen und dort die Sozialräume, die Gemeinschaftsküche, das Callcenter, den Schnittraum oder den Raum für temporäre Arbeiten unterbringen. Das war ein ziemlich aufwendiges Verfahren.

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Eine undichte Horizontalsperre führt zu kapillar aufsteigender Feuchtigkeit im Mauerwerk. Das drucklose Injektionsverfahren zur nachträglichen Horizontalabdichtung soll mithilfe eines Injektionsstoffs die Kapillarität des Sandsteins vermeiden.

Gab es bei den Renovierungsarbeiten irgendwelche kuriosen Entdeckungen?

Kampik: Es gibt ja aktuell einen kleinen Umbau – wir legen nämlich eine versteckte Kammer frei. Wir sind schon ganz gespannt, was uns da erwartet. Damals haben wir bei dem Ausbau des Spitzdaches festgestellt, dass es im Westflügel einen zugebauten kleinen Raum mit circa sieben Quadratmeter Grundfläche gibt. Das scheint wohl früher mal eine Nottreppe zum Dach gewesen zu sein, die dann irgendwann zugebaut wurde.

Teuber: Ich fürchte, einen Schatz wird es da nicht geben. Da wurde damals der ganze Schutt reingeworfen.

Kampik: Jetzt hoffen wir mal Herr Teuber. Der Hintergrund ist einfach der, dass wir einen Materialraum brauchen, den wir dort einrichten werden.

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Unser Allroundtalent, der liebe Herr Volov (sein Portrait könnt‘ Ihr hier lesen) beim Bau einer der Außentreppen.

… Seien Sie gespannt auf den zweiten Teil des Interviews! Exklusiv auf dem GIM-Radar ab Januar 2015.

Bis dahin, schöne Weihnachten und einen guten Start ins Jahr 2015!
Euer Redaktionsteam

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