Social Media Forschung mit Sebastian Maetje

In unserer Rubrik “Am Kicker mit” erhalten wir von unseren GIM-Kollegen spannende Einblicke in unterschiedliche Marktforschungs-Themen. Sebastian Maetje, Research Manager in der GIM, berichtet im Interview unter anderem über Trends in der Social Media Forschung.

Hallo Sebastian und herzlich Willkommen am Kicker!
Hi Frank! Schön, dass wir endlich mal wieder zusammen Kickern. Das letzte Mal ist ja nun schon wieder eine Weile her.

Na, das ist ja heute wirklich ein besonderes Interview – immerhin haben wir als Team im letzten Jahr das GIM-interne Kicker-Turnier gewonnen!
Genau! War wirklich eine tolle Sache, das Turnier. Seitdem sind wir auf jeden Fall alle noch mal deutlich besser geworden am Tisch, würde ich sagen. 🙂

Da geb’ ich Dir Recht – und das beweis’ ich Dir jetzt 🙂 
Gerne. Los gehts!

Social MEdia Forschung GIM
Konzentrierte Anfangsphase – man kennt sich aus zahlreichen Matches mit- und gegeneinader

Du bist in der GIM neben Deiner „normalen“ forscherischen Arbeit als Studienleiter auch Experte für Social Media und überhaupt beim Thema „digital“ sehr fit. Woher kommt diese Neigung?
Gute Frage: ich denke, den Grundstein dafür gelegt haben sowohl mein Nachbar aus Kindheitstagen sowie mein damaliger bester Freund Ende der 80er Jahre, die beide schon zu dieser Zeit sehr Computer-affin waren. Mein Interesse für alles Digitale hat sich seitdem einfach weiter entwickelt.

Und was genau machst Du in der GIM rund ums Thema Social Media und „digital“?
Auf der einen Seite stehe ich intern unseren Mitarbeitern beratend zur Seite, wenn Fragen zu digitalen Themen aufkommen, z.B. digitale Marketing-Trends oder Methoden qualitativer Online-Marktforschung. Ich mache als Studienleiter natürlich auch selbst regelmäßig Projekte online, die von Online-Tagebüchern über Chats und Diskussionsrunden bis hin zu Social-Media-Recherche reichen. Auf der anderen Seite bin ich mitverantwortlich für den Betrieb unserer digitalen Kanäle, also unsere Facebook-Präsenz sowie unser Weblog und unsere Homepage.

Okay, das ist einiges. Was wir forschungstechnisch machen, hast Du ja grob schonmal im Rahmen unserer „Instant Insights“ erklärt. Kannst Du trotzdem kurz die wichtigsten Ansätze nennen?
Ich würde sagen, dass es qualitativ zwei Routen gibt, in denen wir bisher online forschen: zum einen qualitative Primär-Studien: hier laden wir Teilnehmer bewusst ein, an einer Studie online teilzunehmen. Typische Aufgaben sind zum Beispiel Online-Diskussionsforen, Chats oder Tagebücher. Dieser Teil wird in der GIM unter dem Titel „Connect“ zusammengefasst.

Social Media Research GIM
Radar-Redakteur – Social Media Experte – digital native – amtierender GIM Kicker-Champion und Studienleiter bei der GIM: Sebastian Maetje

Zweitens gibt es die Studien, die sich auf Sekundär-Daten beziehen: hier durchforsten wir soziale Medien nach den Meinungen der User zu bestimmten Themen. Wir schauen uns also an, wie zum Beispiel auf Foren in Deutschland über das Thema „Erkältung“ diskutiert wird, das heißt: welche Themen tauchen häufig auf, welche weniger häufig, wie ausführlich sind die Diskussionen etc. Dieser Teil nennt sich bei der GIM „Netlistener“. Insgesamt lässt sich sagen, das wir schon sehr viel und in den verschiedensten Feldern mit verschiedenen Methoden digital forschen.

Okay, Danke! Hm, es fallen so gut wie keine Tore. Man merkt, dass wir das Spiel des Anderen kennen.
Na dann strenge ich mich einfach mal ein bisschen mehr an jetzt! 🙂

Stichwort „Trends“: Wo geht denn die Reise hin in diesem Jahr – was sind denn für Dich die wichtigsten Social Media Trends 2015
„Trends“ – ein Wort, das gerade wenn es ums Internet geht, meiner Ansicht nach heutzutage sehr leichtfertig verwendet wird. Ein Trend ist heute scheinbar so schnell herbeigeredet, wie er auch wieder verschwindet. Daher würde ich sagen, dass ein Trend für 2015 sein sollte, genau diese Themen, die in Zukunft an Bedeutung gewinnen – denn nichts anderes ist ja ein Trend – etwas kritischer zu betrachten.

Social Media Research GIM Marktforschung
Lacht sich warm für die Verlängerung: Radar-Redakteur Frank Luschnat

„Genauer Hinsehen“ als digitaler Blockbuster-Trend 2015? Das gefällt mir. 🙂
So in etwa. 🙂 Ich habe darüber hinaus den Eindruck, dass Social Media in 2015 noch smarter wird. Das heißt: Firmen werden sich noch kritischer anschauen, welche Maßnahmen wirklich sinnvoll sind für sie als Marke und welche nicht. Andererseits sehe ich eine weitere Verbreitung der Social-Media-Kanäle in Deutschland auf uns zukommen: wo in Amerika viele Medien neben Facebook heute schon selbstverständlich genutzt werden, sind User in Deutschland bisher noch eher kritisch gegenüber Twitter, Instagram und Co. Getreu dem Sprichwort „Steter Tropfen höhlt den Stein“ glaube ich jedoch, dass auch für Internet-User in Deutschland diese Dienste interessanter werden, zumal sie, jeder für sich genommen, Vorteile bieten, die der bisherige Platzhirsch Facebook nicht hat.

Schließlich sehe ich noch, dass wir alle uns in Zukunft noch stärker auf visuelle Inhalte im Netz fokussieren werden, die einfach und schnell zu erfassen sind und darüber hinaus einen hohen Unterhaltungswert haben: Youtube wird also noch populärer werden, genauso wie andere visuell-zentrierte Dienste wie Vine, Pinterest, Tumblr, Instagram und Co.

Und was bedeuten die Entwicklungen für die Marktforschung, beziehungsweise für uns als Institut?
Für uns als Institut stellen das Internet und soziale Medien eine Reihe von Herausforderungen dar: wir müssen lernen, das Netz noch stärker und vor allem intelligenter als Datenquelle für Auswertungen zu nutzen. Hier arbeitet eine Vielzahl von spezialisierten Unternehmen bereits daran, wie Inhalte sinnvoll und einfach ausgewertet werden können. Die bisherigen Lösungen, die wir getestet haben, sind meiner Meinung nach jedoch häufig noch optimierungsfähig.

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Da fiel der hochverdiente Anschlusstreffer für Frank. Mit drei Toren Vorsprung hatte Sebastian dennoch gut lachen…

Viel wird ja zur Zeit auch über das Thema „wearables“ sowie die Analyse von Nutzer-Daten gesprochen: dass Google sein „Glass“-Projekt just eingestellt hat, zeigt für mich, dass wir als Gesellschaft wearables gegenüber momentan doch weniger offen sind als bisher vermutet – abgesehen von den tatsächlichen Mängeln des Produkts. Bis wir in der Marktforschung auf  durch wearables produzierte Nutzer-Daten zurückgreifen können, wird also bestimmt noch etwas Zeit ins Land gehen.

Wie würdest Du denn generell die Bedeutung von Social Media als Marketingkanal für Unternehmen einschätzen – mehr Substanz oder mehr Hype?
In aller Kürze: ich denke, dass wir uns alle einig sind, dass soziale Medien heute weltweit einen wichtigen Marketing-Kanal bilden. Die Herausforderung für die Zukunft besteht meiner Meinung nach vor allem darin, die User bzw. Konsumenten davon zu überzeugen, dass auf diesen Kanälen Inhalte veröffentlicht werden, die für sie relevant und interessant sind. Hier haben Unternehmen häufig noch Nachholbedarf.

Sebastian: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast. War super spannend. Unentschieden. Jetzt spielen wir den Sieger aus. Aber erst schalten wir das Aufnahmegerät ab!
Gerne geschehen. Ja, ist vielleicht besser so. 🙂

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Gefühlter Sieg trotz Unentschieden. Doppeltes Victory bei Frank nach fulminanter Aufholjagd. Sebastian wie immer gelassen…

Wenn Ihr mehr über das Thema Social Media Forschung erfahren wollt, könnt’ Ihr Euch jederzeit hier anschauen, wie wir als Marktforschungsinstitut in dem Bereich forschen

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