Smart Home aus Sicht der Marktforschung (Teil 2)

Vor zwei Wochen sprachen wir bereits mit den GIM Research Directors Thomas Hobrock und Dr. Tomas Jerković über Entwicklungen rund um das Smart Home. Hier kommt nun der zweite Teil des Interviews, zu dem wir Euch viel Spaß wünschen.

Ihr habt uns nun viel erzählt über das Potenzial, das im Smart Home steckt. Ist das Thema noch immer eher etwas für Nerds?

THOMAS HOBROCK: Es ist mit Sicherheit noch kein Massenphänomen. Aber der Mainstream erobert Facetten für sich. Beispiel: In Bundesländern, in denen die Einbruchsraten steigen, beginnen „normale Konsumenten“ einen Teil des Smart Home Konzepts Technik für sich zu entdecken: kostengünstige Überwachungstechnik. Ich schaue mit dem Smartphone jederzeit meinen Wohnraum über die dort montierte Kamera an und wenn jemand einbricht, erhalte ich sofort eine Nachricht und kann die Informationen an die Polizei weitersenden. Sicherheit ist derzeit ein ganz starker Impuls.

TOMAS JERKOVIC: Die Versicherungen sind bei dem Thema wichtige Player – sprich der Druck kommt dann von anderer Seite und plötzlich tut sich da was.

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Vom Thema Sicherheit, über Umweltaspekte bis hin zum Basteln – Smart Home richtet sich durch seine vielfältigen Anwendungsgebiete an eine breit gestreute Zielgruppe. Bildquelle: Kaboompics.

Das heißt, die breite Mehrheit stellt derzeit ihren Wohnraum nicht in Richtung Smart auf den Kopf…

T. J.: Korrekt. Ich sagte ja vorhin: Es gibt eine Reihe technischer und vor allem auch psychologischer Barrieren. Vor allem die Frage nach dem echten Nutzen in Relation zu dem Invest, den man tätigen muss.

T. H.:  Zudem muss man zunächst überhaupt einmal die Chance haben, ein Smart Home überhaupt gestalten zu können. In Miete ist das schon mal schwieriger. Und im Eigentum braucht man natürlich Geld und das Wissen. Das sind Grundvoraussetzungen. Auf der anderen Seite wird das Thema aber auch extrem gepusht. Auf das Feld drängen momentan eben unglaublich viele Anbieter.

Wie bei der E-Mobility…

T. J.: Ja, oder auch bei Bezahlsystemen via Smartphones. Das ist eigentlich eine Domäne der Banken. Da sind aber Smartphone-Hersteller, IT-Hersteller, Onlinehändler, Telekommunikationsunternehmen oder auch Internetkonzerne unterwegs. Die Anbieter kommen also aus verschiedensten Ecken und drücken aufs Tempo. Während aber die Motivvielfalt beim Mobile Payment auf Zahlen, Bequemlichkeit oder auf Datenerfassung begrenzt ist, hat man beim Smart Home eine tendenziell größere Motivvielfalt. Die Spannweite reicht vom Energiesparen, über Sicherheit bis hin zu Unterhaltung und Status.

Es ist also theoretisch für Jeden etwas dabei…

T. H.: Ja, schon. Ich schätze, es wird in Deutschland eher Insellösungen geben, das heißt der konkrete Bedarf der Konsumenten  wird den passenden Bereich bestimmen. Ich bin meinetwegen Musik-affin, dann werde ich mir eine Musikinsellösung fürs Haus oder die Wohnung suchen. Wir haben ja auch  den finanziellen Aspekt angesprochen: Welcher Normalverdiener hier in der Region Heidelberg kann sich denn ein Haus leisten? Das heißt im Umkehrschluss: Inwieweit habe ich als Mieter überhaupt einen Need, meine Wohnung zu optimieren? Und: Würden Vermieter das auch mitmachen?

T.J.: Oder: Wenn ich als Arbeitnehmer mobil bin, dann habe ich vielleicht kein großes Interesse daran meine Hütte perfekt zu machen. Da will ich vielleicht eher Insellösungen, die ich immer mitnehmen kann, die mobil bleiben. Wenn ich aber ein Haus besitze und vielleicht viel im Home Office arbeite, dann können meine Motive schon wieder ganz anders aussehen…

Gibt es vor dem Hintergrund eigentliche „DIE“ Zielgruppe für Smart Homes? 

T. H.: Das muss man differenziert betrachten: Die kleinste Möglichkeit einer Smart-Home-Steuerung wäre im Grunde eine Steckdose mit einem Timer dran. Die kostet ca. 1,95 Euro, leistet aber schon Erstaunliches. Wo fängt das Thema also an und wo hört es auf? Wenn man jetzt Smart Home wirklich zu Ende denken würde – und ich glaube das wird niemals zu Ende sein – dann geht es ja stark um Gesamtkonzepte, beispielsweise auch Hausdämmung.

T. J.: Unser berühmter „Otto-Normalverbraucher“ muss für das Thema sensibilisiert werden. Und dann wird er oder sie sich im ersten Schritt eher kleine Lösungen, sprich: Teilbereiche, heraussuchen. Und da wird eben die staatliche Förderung auch eine große Rolle spielen.

T. H.: Das XL Smart Home ist heute tendenziell noch etwas für technisch affine und gleichzeitig finanziell gut bis sehr gut gestellte Konsumenten.

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Alles im Blick: Auch wenn Sie nicht zu Hause sind, werden Sie dank Sensoren am Fenster informiert, wenn eine Scheibe bei Ihnen zu Bruch geht oder können anhand einer Kamera sehen, wenn jemand unbefugt ihr Heim betritt. Bildquelle: SplitShire.

Jetzt mal ganz praktisch gefragt: Ich möchte mein Heim smarter machen: Was brauche ich dafür alles?

T. H.: Da müsste man erst ein paar Dinge klären. Das erste: Mit welcher Technologie möchte man arbeiten? Mit einer Stromleitung, Datenleitung, Funktechnologie oder über W-Lan? Heute würde man wohl am liebsten die webbasierte Variante wählen, weil sich unbegrenzt immer wieder neue Geräte einschleusen lassen. Für das W-Lan braucht man auch eine Art Controller bzw. Steuerboard, das die zusammenlaufenden Daten verarbeitet. Zudem dient es als Plattform, über die alle vernetzen Dinge miteinander kommunizieren können.

T.J. : Eine andere Frage ist die: In welche Bereiche will ich rein? Wie gesagt gibt es sehr unterschiedliche Bereiche, die ich regeln kann. Will ich mich zum Beispiel mit dem Thema Heizung auseinandersetzen? Dann müsste man die Thermostate alle durch W-Lan-fähige Geräte austauschen. Im Gegensatz zu den alten, haben die Sensoren, die auf ein Zehntel Grad genau die Temperatur messen. Dann gibt es verschiedene Sensoren im Raum, die die gemessene Temperatur an die Thermostate funken.

Gibt es auch ein Regelsystem für den Wasserverbrauch?

T. H.: Ja klar, da gibts einiges. Das einfachste Prinzip zum Wasser sparen ist der Einsatz eines Luftsprudlers in der Armatur. Das Wasser wird mit Luft angereichert und der Dipolcharakter des Wassers dadurch verändert. Das Wasser wird so weicher und kann besser Schmutz aufnehmen. So ein Aufsatz kostet um die fünf Euro und verringert meinen Wasserverbrauch bis zur Hälfte! Da ist weniger Smart Home, sondern mehr Smart Mechanik dahinter.

„Vernetzt“ heißt also aus Sicht des Konsumenten auch: An möglichst alle Bereiche denken, die das eigene „home“ betreffen… 

T. H.: Ja genau. Von der Wasserregelung, über LED-Birnen bis zur Wand- und Fußbodenheizung. Man könnte auch die Lichttechnik in Angriff nehmen und über Bewegungssensoren Wohnbereiche nur dann ausleuchten, wenn man sich dort aufhält und/oder wenn es dunkel wird. Auch wenn die LED-Dimmerfunktion noch nicht so gut funktioniert, ist man an der Weiterentwicklung dran.

T. J. In Kühlschränken ist ja bereits eine bestimmte Logik integriert, die je nach gelagerter Warenmenge unterschiedlich stark Energie aufwendet, um zu kühlen. Also mit einem Kühlschrank kann man irre viel sparen. Wenn man ein altes Gerät hat, denkt man ja, dass es völlig absurd ist, sich ein neues Gerät zu kaufen. Aber ein Kühlschrank etwa amortisiert sich selbst allein über den Energieverbrauch schon nach zehn Jahren.

Für weitere Informationen oder Fragen könnt Ihr Euch jederzeit an die Kollegen Thomas Hobrock t.hobrock@g-i-m.com oder Dr. Tomas Jerković t.jerkovic@g-i-m.com wenden.

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