Quantitative Marktforschung in China: Die Taxifahrer-Typologie

Und wieder hat es Kollegen wegen eines Forschungsprojekts ins Reich der Mitte verschlagen: Dr. Jörg Munkes, Coporate Director und Leiter unserer quantitativen Marktforschung (GIM Numeric) und Andrea Knorn, Research Director bei GIM Numeric, reisten neulich in die chinesische Hauptstadt Peking. Unterwegs waren sie vor allem mit dem Taxi, was bisweilen Stunden dauern kann. Der Entfachung von Jörg‘s Forschergeist tat dies jedoch keinen Abbruch, im Gegenteil: Er nutzte die Zeit, um eine Typologie der Taxifahrer zu kreieren. Statistisch nicht hundertprozentig wasserdicht, aber darüber sehen wir mal großzügig hinweg 🙂
Hier ist sein Forschungsbericht:

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GIM Numeric Chef Jörg Munkes in Peking: Selfie-Schulterblick zu Mao. Aber auch bei den Taxifahrern hat er ganz genau hingeschaut.

Als Marktforscher liebt man Typologien – Taxifahrer in Peking eignen sich in diesem Kontext hervorragend als „Forschungsobjekte“, da es einige spannende Typen gibt, die zum Teil erheblich differenzieren (wichtig bei Typologien!). Aber trotz aller Unterschiede zwischen den Taxifahrern in Beijing, gibt es eine Gemeinsamkeit: Sie sprechen kein Englisch! Daher gilt die stets dringend zu beachtende Regel, das Fahrziel unbedingt in chinesischen Schriftzeichen bereit zu halten. Ankommen ist zwar auch dann nicht garantiert, aber immerhin je nach Typ unterschiedlich wahrscheinlich.

Typ 1: Der Slalomfahrer

Zwei Dinge gibt es reichlich auf den Straßen Pekings: Taxis und Staus. Der Slalomfahrer liebt den dichten Verkehr, da er hier die anderen Taxis gekonnt wie ein Skifahrer umkurven kann. Tempolimits spielen hierbei nur eine untergeordnete Rolle bzw. sie werden eher als Mindestgeschwindigkeit ausgelegt. Hin und wieder wirft der Slalomfahrer seinen Fahrgästen einen Blick zu, um zu prüfen, ob sie von seinen Fahrkünsten auch ausreichend beeindruckt sind.

Doch ganz gleich welche Reaktion man zeigt (ängstlich oder betont gelassen): auf den Fahrstil wirkt es beschleunigend. Als Fahrgast eines Slalomfahrers hat man aber einen Freund: den Stau, denn dieser zwingt selbst den Slalomfahrer zum Halten! Der Slalomfahrer hat noch eine weitere Eigenart: Er versucht gerne bis zu 50 Prozent Aufschlag auf den üblichen Fahrpreis zu nehmen, denn ein Taxameter hat er nur selten in seinem Auto.

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Ideale Pistenverhältnisse für Typ 1: Genügend Objekte zum gekonnten Umkurven – und dennoch relativ freie Strecke…noch!

Typ 2: Der “You show him the way“-Typ

Zwischen Fahrer und Fahrgast sollten die Rollen eigentlich klar verteilt sein: Der Eine fährt und kennt den Weg, der Andere sitzt daneben oder dahinter und kennt den Weg nicht. Beim „You show him the way“-Typ gilt der Zusatz „…und kennt den Weg“ leider nicht. Typischerweise begegnet man diesem Typ vor Hotels und Restaurants. Man nennt dem Hotelpagen oder Kellner auf Englisch sein Fahrziel und diese geben es dem Taxifahrer auf Chinesisch weiter. Nun gibt es zwei Varianten. Erstens: man steigt ins Taxi ein und der Hotelpage ruft einem noch „You show him the way“ zu. Die Tragweite dieser Worte wird nach wenigen Minuten Fahrt deutlich. Und zwar wenn der Fahrer achselzuckend durch die Straßen irrt, so dass eine Strecke, die man in zehn Minuten zu Fuß bewältigen kann, schnell um ein Vielfaches länger wird. Variante zwei: man steigt ebenfalls ins Taxi ein, um dann eine Diskussion zwischen Fahrer und Kellner zu beobachten. Ergebnis dieser Diskussion ist, dass man wieder aus dem Taxi aussteigt, da der Fahrer den Weg nicht kennt bzw. seinen Fahrgästen nicht zutraut, dass sie ihm den Weg zeigen können.

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You-show-him-the way…to city mall (was hier ganz offensichtlich funktioniert hat). Und das natürlich im Hyundai Elantra – dem mit Abstand häufigsten Fahrzeugmodell, das in Peking als Taxi fungiert.

Typ 3: Der Atemwegsreiniger

Dieser Typ ist dadurch gekennzeichnet, dass er in regelmäßigen Abständen Geräusche macht, die der Reinigung der Atemwege dienen – zumindest wird das Ergebnis des Reinigungsvorgangs dann aus dem Fenster gespuckt. Weiten bis drei Meter sind hierbei keine Seltenheit. Selbstverständlich achtet der Atemwegsreiniger dabei darauf, dass der Gegenverkehr nicht gefährdet wird und wählt eine eher flache Flugkurve – auch wenn dies Weite kostet. Um Missverständnisse zu vermeiden: Wir möchten uns hier nicht mokieren, denn angesichts des für hiesige Verhältnisse unvorstellbaren Smogs in Peking, ist es unabdingbar dass die Atemwege regelmäßig so gut es geht gereinigt werden. Außerdem ist dieser Typ quantitativ derart ausgeprägt, dass wir ihn schon alleine aus Gründen der korrekten Ergebnisdarstellung nennen müssen!

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Eher widrige Bedingungen für Typ 3: Die Atemwegsreinigung muss warten

Typ 4 Der Edle

Schwarzes Taxi und Ledersitze: Das Taxi dieses Typs hebt sich wohltuend von den sonst üblichen gelb-grünen Hyundai Elantras ab. Auch der Fahrer des Taxis mit seinen weißen Handschuhen unterscheidet sich positiv von den sonstigen Fahrern…bis er beginnt, seine Atemwege zu reinigen.

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Im Fonds von Typ 4 fühlt man sich ein wenig wie ein echter Celebrity.

Typ 5 Der Normale

Diesen Typ gibt es tatsächlich, auch wenn er ein Nischendasein führt: Man steigt ins Taxi, zeigt dem Fahrer das Fahrziel und dieser fährt unter Einhaltung aller Verkehrsregeln auf direktem Wege hin. Unaufgefordert erhält man eine Quittung aus dem Taxameter, bezahlt, gibt Trinkgeld und steigt aus – Taxifahren in Peking kann so einfach sein!

Fazit: Taxifahren in Peking ist, wie in anderen (asiatischen) Mega Cities dieser Welt eine spannende, bisweilen abenteuerliche Erfahrung. Und gerade deshalb eine Bereicherung – ganz egal, ob mit oder ohne Typologie!

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Comments (2)

[…] automatisch über den Tellerrand und bekommt Eindrücke – egal, ob am Flughafen, im Taxi, in Studios, Hotels oder auch mal, wenn Zeit bleibt, in den Städten selbst –  die man eben […]

[…] also die Mobilitätsforschung der GIM. Gemeinsam mit dem Chef unserer quantitativen Forschung, Dr. Jörg Munkes, hat sie kürzlich einen spannenden Artikel in der Fachzeitschrift planung & analyse (p&a) […]

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