Qualitative Marktforschung: Das schönste Büro der Welt

Während der Feldphase einer Studie (in der Fachsprache gerne „Datenerhebung“ genannt), geht es für den ethnologisch motivierten Marktforscher meistens raus aus seinen vier vertrauten Bürowänden. Gerade als qualitativer Marktforscher kann man nicht behaupten, das wäre selten der Fall – im Gegenteil: Man bekommt schon einiges mit von der Welt (oder je nach Erhebungsort auch von der näheren Umgebung). Das ist gut so, denn draußen werden die Forscherfragen unverfälscht beantwortet: Am Ort des Geschehens, sozusagen „Auge in Auge mit dem Versuchsobjekt“ (oder: Subjekt).

Von unserem Kollegen Jörg Riedo, GIM Suisse

Im Gegensatz zum gemeinen Touristen, bei dem Ästhetik oder Attraktivität der Schauplätze den Ausschlag geben, ist beim Forscher das Erkenntnisinteresse die Richtschnur der Reiseplanung. So werden Points of Sale in hektischen Stadtvierteln, Bars oder „Hotspots“ in Großstädten (Kunden-Safaris) oder auch gerne heimelige Agglo-Wohnstuben von Befragten gleichermaßen zum Ort des Aufenthalts wie der Erkenntnis.

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Nicht schön – und schon gar nicht selten: viele Stunden der „Forschung draußen“ verbringen Marktforscher in Gebäuden wie diesen

Zu den besuchten Örtlichkeiten gehören häufig auch Arbeitsplätze im Zweckbau eines Industriegebiets oder öde Sitzungszimmer. Diese präsentieren sich dem wissensdurstigen Marktforscher selten in auserlesener Schönheit oder Pracht. Ein Grund zum Jammern? Sicher nicht, denn erstens gibt es selbstverständlich Dramatischeres, was einem widerfahren kann, zweitens kommt es zu allererst auf die Konzentration auf das Projekt an. Und drittens – na ja – sollte man sich als professioneller qualitativer Marktforscher ohnehin nicht um Äußerlichkeiten scheren, sondern im Gegenteil stets versuchen, „hinter die Fassade“ (von Menschen UND Gebäuden) zu blicken.

Und doch – allem Pragmatismus zum Trotz – gelangt man hin und wieder auf marktforscherischer Mission an Orte, wo man sich anstrengen muss, nicht in den touristischen Modus zu fallen, die Füsse hochzulegen und einfach nur zu genießen. So kürzlich geschehen, als ich zwischen zwei Interviews auf einer Parkbank am Genfer See (Lac Léman) an einem telefonischen Briefing teilnahm…im allerschönsten Büro der Welt!

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So geht’s auch: Telefonbriefing für ein neues Projekt am Lac Léman

Das entschädigt für die nächsten fünf Zweckbau-Termine…mindestens!

Hier geht’s zur Website der GIM Suisse

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