Plastik gut, alles gut?

Plastik ist billig, belastbar und leicht. Die Vorteile seiner Beschaffenheit haben den Kunststoff zu einem der wichtigsten Materialien des 21. Jahrhunderts gemacht. Doch wie jeder weiß, hat jede Medaille zwei Seiten: Ganze Inseln aus Kunststoff-Müll ziehen ihre Bahnen durch die Ozeane, Landstriche bestechen mit einem Blumenmeer aus Joghurt-Bechern und PET-Flaschen und Müllberge genießen den Ausblick über die Städte, durch die sie generiert wurden. Die Welt droht im Müll zu ersticken. Innovative und verantwortungsbewusste Köpfe auf der ganzen Welt leisten derzeit Pionierarbeit und forschen an ernsten Alternativen zum Plastik: den Bio-Kunststoffen.

Jedes Jahr werden über 300 Millionen Tonnen Plastik-Artikel hergestellt. Vor allem Verpackungen und Tüten haben eine nur kurze Nutzungsdauer und werden schnell weggeworfen. Was nicht recycelt wird, landet auf Müllhalden, in der Natur oder in den Weltmeeren. Eine normale Plastiktüte braucht alleine 400 Jahre um zu verrotten, eine biologisch abbaubare circa vier Wochen.

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Der Plastikmüll hat erhebliche Auswirkungen auf marine Ökosysteme: Toter Albatros mit Plastikmüll im Magen. Quelle: YouTube.

Nur langsam kommt der Biokunststoff  in den Handel. In Deutschland besteht lediglich ein Prozent (Stand 2013) der Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen. Die Biokunststoff-Industrie selbst glaubt aber an eine Zukunft mit guten Perspektiven. Auf lange Sicht soll es ernste Alternativen zur Erdöl-basierten Plastikproduktion geben. Dieses Ziel hat sich u.a. auch das Frauenhofer Institut für Polymerforschung in Potsdam gesetzt, das seit Jahren Pionierarbeit auf dem Gebiet der Biokunststoffe leistet. Geforscht wird an den technischen Eigenschaften des alternativen Materials, um zu testen, welche bisherigen Plastik-Produkte sich in Zukunft ersetzen lassen. Und das, ohne dabei an Funktionalität oder Sicherheit einzubüßen.

Shrilk
Forscher des Wyss Institute for Biologically Inspired Engineering an der Harvard University haben eine biobasierte Kunststoff-Alternative mit dem Namen „Shrilk“ (von Schrimp und Silk) entwickelt. Aus den Schalen der Garnelen wird das Seidenprotein Chitin gewonnen. Shrilk kann für Alltagsgegenstände verwendet werden und ist flexibel, elastisch, belastbar, dünn, leicht und günstig in der Herstellung.

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Eine nachhaltige Alternative zum Kunststoff: Shrilk verrottet innerhalb kürzester Zeit. Quelle: YouTube.

Plastik Bank
Ein anderes Vorgehen ist, den bereits vorhandenen Kunststoff-Müll neu zu verwerten. Plastik Bank hat zum Beispiel einen 3D-Drucker entwickelt, der aus gesammeltem Plastikmüll neue Gegenstände produziert. Dazu wird das eingesammelte Plastik in Kunststoffgranulat umgewandelt, um dann daraus das Druckmaterial herzustellen.

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Der zu Granulat verarbeitete Plastik-Müll wird als Druck-Rohstoff für 3D-Drucker wiederverwendet. Quelle: YouTube.

An dem Know-how zur Herstellung von Biokunststoffen sind mittlerweile Firmen aus der ganzen Welt interessiert. Man erhofft sich, dass der Einsatz von kompostierbarem Material das globale Müll-Problem lösen könnte. In jedem Fall werden Biokunststoffe in Zukunft eine herausragende Rolle spielen.

Last but not least wäre das generelle Reduzieren von Müll ebenfalls ein wichtiger Lösungsansatz. Über Plastik-freie Verkaufskonzepte sowie über nachhaltige Verpackungskonzepte haben wir in der Vergangenheit bereits berichtet.

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