Online goes offline: Online-Händler zieht es an die Ladenfront

„Klar shoppe ich online! Aber (…)“ – Auch wenn für viele Konsumenten das Einkaufen im Internet zum normalen Alltag geworden ist, so wird in bestimmten Situationen, Lebenslagen oder auch bei bestimmten Produkten doch der stationäre Einzelhandel bevorzugt. Die Gründe hierfür können ganz unterschiedlich sein. Das entgeht auch nicht Internet-Riesen wie etwa Amazon oder Zalando. Somit verwundert es nicht, dass mittlerweile rund die Hälfte der 1.000 größten Online-Shops eine Offline-Offensive gestartet haben, um auch im klassischen Handel einen Fuß in der Tür zu haben und noch näher am Kunden zu sein.

Amazon, Zalando, Notebooksbilliger, Home24, mymuesli oder auch Amorelie – Immer mehr Online-Händler sind in den Einkaufsmeilen der Großstädte anzutreffen. Gemäß dem Motto „Online goes Offline“ ziehen ehemals Pure-Online-Player an die Ladenfront und setzen neben dem Absatz im Internet zusätzlich auf eigene Läden,  Shop-in-Shop-Lösungen oder Pop-up-Stores. Das Zauberwort heißt: Omni-Channel. Mit der zunehmenden Auflösung der Shopping-Grenzen zwischen offline, online und mobil entwickelt sich die Zukunft des Handels in einen bunten Mix an Möglichkeiten. Der Onlinehandel hat erkannt, dass seine Absatzmöglichkeiten in den nächsten Jahren online immer mehr an seine Grenzen stoßen wird. Analysen zeigen in einigen Segmenten bereits erste Sättigungstendenzen. Das befürchtete Aussterben des stationären Handels scheint damit erst einmal Geschichte zu sein.

Doch auch wenn die Mischformen des Shoppings immer mehr den Lebensgewohnheiten der Konsumenten entgegenkommen: Der stationäre Handel muss heute mehr als die bloße Einkaufsmöglichkeit bieten, um dauerhaft bestehen zu können. Es geht um ein Shoppingerlebnis, um Atmosphäre, um Emotionen und Service – der stationäre Handel kann dem Konsumenten hier einen Mehrwert bieten, der so online nicht umzusetzen ist. Zudem steigert die Präsenz vor Ort den Bekanntheitsgrad einer Marke sowie ihre Glaubwürdigkeit. Wobei die Onlinemarken, die sich offline etablieren möchten in Sachen Bekanntheit in der Regel gut aufgestellt sind. Nicht zuletzt hat der Konsument auch bei bestimmten Produkten ein Bedürfnis des Schmeckens, Fühlens, Sehens und Erlebens, das befriedigt werden will.

Kein Wunder also, dass sich immer mehr Onlineriesen ein zusätzliches Standbein im klassischen Handel aufbauen. Mit dem Know-How und der Technik aus dem digitalen Business bringen sie auf jeden Fall großes Potential mit, völlig neue Ladenkonzepte zu realisieren und so den stationären Handel aufzumischen. Auf der anderen Seite hat auch der klassische Handel das Internet als zusätzlichen Vertriebskanals erkannt. Online und Offline verschränken sich also zusehends miteinander und „zwingen“ den Handel insgesamt zum Umdenken .

GIM Senior Research Manager und Shopper- und Point-of-Sale-Experte Markus Radtke meit dazu: „Einerseits besteht natürlich die Gefahr, dass die großen Onlinehändler den stationären Handel verdrängen, was angesichts des ohnehin schon großen Leerstands in vielen deutschen Innenstädten besonders dramatisch wäre. Andererseits besteht die Chance, dass Onlinehändler frische Impulse hinsichtlich Storegestaltung und Einkaufsmöglichkeiten  in die Händlerlandschaft miteinbringen, die die Grenzen zwischen Online und Offline Shopping deutlicher als bisher auflösen und somit ein echtes Omnichannel Einkaufserlebnis ermöglichen, das die Vorteile beider Kanäle für den Shopper optimal verbindet. Im optimalen Fall besteht also eine Chance einer deutlichen Bereicherung der bisher anzutreffenden Shoppingroutinen. Hiervon kann auch der stationäre Handel profitieren: Nicht nur, indem er hier nachzieht um mitzuhalten, sondern indem er v.a. Nischen besetzt, die Online-Riesen wie etwa Amazon mit Ihren auf den Mainstreamkäufer abzielenden Absatzstrategien nicht abdecken können.

Markus radtke

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