„OK Boomer“: Online Generationen-Konflikt

Alt gegen Jung, Jung gegen Alt. Auf der politischen Bühne gibt es gerade einige Themen, die gerne als Konflikt zwischen den Generationen stilisiert werden. In einem davon geht es aktuell um Emanzipation und Rederecht: einige Millenials (geboren um die Jahrtausendwende) nervt es offenbar zunehmend, dass Vertreter  der Babyboomer (geboren in den Nachkriegsjahren) erstere vermeintlich belächeln, bzw. „nicht für voll nehmen“. Die angestaute Wut darüber bricht sich immer wieder bahn – siehe etwa die Fridays-for-Future-Demos. Zeitgleich dazu hat sich ein Internet-Trend entwickelt, bei dem es auch um diesen stilisierten Konflikt geht: „OK, Boomer“. Angeblicher Ausgangspunkt ist ein Video auf TikTok, in dem eine junge Frau auf die Vorwürfe eines älteren Mannes reagiert.

Wie hier auf dem Lorenzer Platz in Nürnberg demonstrieren dieser Tage hunderttausende zumeist jüngere Menschen deutschlandweit und international regelmäßig gegen die aktuelle Klimapolitik. Bild: Markus Spiske
Der Stein des Anstoßes

Der Mann wirft dabei praktisch der gesamten Generation Z in einem Monolog mehr oder weniger pauschal vor, an einem Peter-Pan-Syndrom zu leiden, nicht erwachsen werden zu wollen, von utopischen Idealen beseelt zu sein und prophezeiht, dass sie irgendwann schon noch auf dem Boden der harten und ungerechten Realität landen würden, schließlich kamen ja selbst die Hippies dort an. Die junge Frau wiederum hört zu und malt währenddessen zwei mit offenbar sarkastisch gemeinten Herzchen verzierte Wörter auf einen Schreibblock: „OK, Boomer“.

Angeblich ist dieses Video auf TikTok der Ursprung des ganzen „OK Boomer“-Memes.

Die Einordnung durch den Experten

Zum Glück haben wir bei der GIM Menschen, die sich seit längerem forschungsseitig mit unserer Gesellschaft – und damit auch mit den in ihr herrschenden Konflikten beschäftigen. Dr. Jörg Munkes, einer unserer Geschäftsführer, verantwortet unsere permanente Studie  „Wie tickt Deutschland?“. Und er meint, die Anschuldigungen seien zwar nicht unbegründet, treffen aber unter Umständen nicht die richtigen Adressaten: „Das sind Vorwürfe, für die ‚die Jungen‘ nichts können.’“ Vielmehr versuchten Eltern häufig, Kinder möglichst behütet groß zuziehen und von negativem Feedback fernzuhalten – Stichwort „Helikoptereltern“.

Auch in der Ausbildung seien die Anforderungen durch Bachelor- und Mastersysteme sehr kleinteilig geworden, meint Jörg. Im „echten Leben“ gäbe es dagegen keine solchen gebündelten „Stöckchen“, über die gesprungen werden müsse, sondern wesentlich diffusere Belastungen und komplexere Anforderungen: „Gerade die Elterngeneration hat ‚die Jungen‘ von harten Lebensrealitäten ferngehalten – und jetzt wird es den jungen zum Vorwurf gemacht.'“, so Jörg weiter. Er hat übrigens auch die politischen Einstellungen der Generation Z untersucht. Den Artikel könnt ihr hier nachlesen.

Die Millenials seien völlig realitätsfern und strebten utopische Werte an. Hier unser Symbolbild der GIM-Eigenstudie „Digital Self vs. Real self“, die sich mit der digitalen Selbstinszenierung der Generation Z auseinandersetzt.
OK Boomer auch im Parlament

Der in dem TikTok Video wahrnehmbare beiderseitige Umgang (bzw. der Nicht-Dialog) miteinander könnte signalisieren: zwischen den Ansichten und Lebensphilosophien der beiden Generationen tun sich Gräben auf – auch wenn man vorsichtig sein sollte damit, dies auf alle GenZ und Babyboomer-VertreterInnen zu projizieren. Und doch ist es ein deutliches Ausrufezeichen der Emanzipation, die „Jung“ hier setzt. „OK Boomer“ wurde indes in den vergangenen Wochen nicht nur zum geflügelten Wort, zum Renner in den sozialen Netzwerken und zu hoch frequentierten Hashtag. Der Terminus hat es inzwischen auch in die Politik geschafft.

In einer Rede geht die 1994 geborene neuseeländische Grünen-Abgeordnete Chlöe Swarbrick auf die vermeintliche Tatenlosigkeit in Sachen Klimaschutz ein und argumentiert daneben unter anderem, dass das Durchschnittsalter des Parlaments bei 49 Jahren liege. Einen Zwischenruf bezüglich des Alters schmettert sie, den Inhalt ignorierend, mit der Aussage „OK Boomer“ ab. Damit hat die 25-Jährige besonders in den einschlägigen Netzwerken hohe Bekanntheit erlangt.

Ausschnitt der inzwischen viral gegangenen Rede Chlöe Swarbricks, in der sie einen Zwischenruf eines älteren Kollegen mit „OK Boomer“ quittiert.

Welche Wendungen „OK Boomer“ noch nehmen wird, werden wir mit Spannung für Euch beobachten. Darüber hinaus untersuchen wir die Generation Z bereits seit geraumer Zeit. Unsere bisher veröffentlichen Forschungsergebnisse findet Ihr in unserem Gen-Z-Dossier.

GIM Geschäftsführer Dr. Jörg Munkes – nur einer unserer ExpertInnen zum Thema GenZ

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Radar-Post: Generation Z und Millenials in der Marktforschung

Radar-Post: Die Gen Z und die Sozialen Medien – „Digital Self vs. Real Self“

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