Mobilitätsforschung: Mensch im Mittelpunkt

Unsere Bundeskanzlerin hat vor ziemlich langer Zeit, es war anno 2009, das verkehrspolitische Ziel ausgegeben, bis zum Jahr 2020 sollten eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. Frau Merkel wurde seinerzeit international noch als „Umweltkanzlerin“ gefeiert, als Öko-Vorreiterin des internationalen Politikbetriebs. Und die Vision von einst ist auch noch heute, sieben Jahre später, allen Ernstes auf der Homepage der Bundesregierung zu finden.

Website ist eines, Realität auf den Straßen etwas anderes: Derzeit stromern gerade mal etwa 25.000 E-Cars (inkl. Plug-in Hybriden) in unseren Städten und Landschaften herum. Auch der „Umweltbonus“, also die Prämie, die man vom Staat seit Anfang Juli bekommt, wenn man ein Elektroauto kauft, scheint das Ruder nicht wirklich rumreißen zu können: Bis Anfang August wurden etwas über 800 Anträge gestellt. Als die Deutschen im Jahr 2009 ihre alten Autos abwracken konnten gegen Geld vom Staat, wurden innerhalb weniger Tage an die 150.000 Anträge gestellt. Die Zahlen sprechen für sich. Zumal in Zeiten, in denen Norwegen laut über ein komplettes Verbot von Autos mit Verbrennungsmotoren ab 2025 nachdenkt…

Anfang des Jahres gab Sigmar Gabriel ein Statement zum Status Quo der E-Mobility in Deutschland. Und sagte – wohlgemerkt als verantwortlicher Minister – was passieren muss, damit die Entwicklung vielleicht dann doch etwas mehr Dynamik bekommt als in den vergangenen Jahren…

Nach wie vor ist also für die erdrückende Mehrheit der Deutschen ein Elektroauto keine Option. Und das mit der Million E-Autos wird bis 2020 nix. Man möchte der Kanzlerin zu gerne zurufen: „Wir schaffen das…nicht.“ Allein: Sie würde es nicht hören (wollen). Denn zum einen könnte (sollte?) ihr diese grandiose Zielverfehlung einigermaßen peinlich sein. Zum anderen hat sie uns im Gegensatz zu unserem OB, auch noch nie besucht. Und damit verpasst sie was, die Kanzlerin! Denn erstens haben wir seit längerem ein E-Auto in unserem GIM Car Pool und zweitens: Nach inzwischen knapp neun Jahren GIM Mobilitätsforschung wüssten wir ne Menge wirklich interessante Dinge zum Thema zu sagen. Vermutlich mehr als mancher Staatssekretär im Verkehrsministerium. Aber lassen wir das…

Mobilitätsforschung läuft in der GIM seit einigen Jahren unter dem Label GIM MOVE™. Inhaltlich geht es dabei um viele wirklich zentrale und extrem spannende Fragen zur gegenwärtigen und künftigen Mobilität. Außer E-Mobility etwa, ob die Innenstädte künftig autofrei sein werden, wann Autos alleine fahren werden, was Städteplaner in Metropolregionen und Megacities tun müssen, um die globalen Verkehrsinfarkte einzudämmen, und wie immer mehr Menschen immer mobiler werden können, ohne unseren Planeten bald komplett ruiniert zu haben (ergo: mit Elektromobilität). Und um sehr vieles mehr…

smart elektro
Im Moment in Deutschland noch immer exotisch: Elektroautos (hier ein Smart). Wann sich das wirklich ändern wird, steht noch in den Sternen. Experten gehen zumindest nicht von einem Boom in den kommen Jahren aus, wenn sich an den politischen Rahmenbedingungen nichts ändern sollte.

Zum Beispiel um die individuellen Bedürfnisse von Menschen im Bezug auf ihre (Alltags-)Mobilität: Was prägt unsere Mobilitätsroutinen, egal, ob wir radeln oder Straßenbahn fahren? Was ist Konsumenten hier wichtig? Welche Kompromisse oder „trade offs“ gehen sie ein im Rahmen ihrer Mobilität? Nehmen sie es zum Beispiel in Kauf, im Stau zu stehen und Spritkosten zu tragen, nur um morgens bequem, mit Privatsphäre im Auto zur Arbeit zu fahren? Oder ist es ihnen wichtiger, Geld zu sparen und etwas für die Umwelt zu tun, d.h. die Bahn zu nehmen – aber dafür dauernd den Ellbogen des Nachbarn in den Rippen zu haben?

Unsere Kollegin Dr. Kerstin Ullrich leitet MOVE™, also die Mobilitätsforschung der GIM. Gemeinsam mit dem Chef unserer quantitativen Forschung, Dr. Jörg Munkes, hat sie kürzlich einen spannenden Artikel in der Fachzeitschrift planung & analyse (p&a) genau zu diesem Thema – die Mobilitätsbedürfnisse von Konsumenten – veröffentlicht. Kernthese: Wer wissen will, wie die Mobilität der Zukunft aussieht, darf nicht nur auf die Technologie schauen (Digitalisierung, Antriebe, Elektrifizierung), sondern vor allem auf den Menschen mit seinen needs – und die „Mobilitätskultur“, in der er sich bewegt.

Ullrich
Leitet GIM MOVE und hat schon zahlreiche Studien zur Elektromobilität für verschiedenste Automobilhersteller durchgeführt: Dr. Kerstin Ullrich.

Ihr könnt den Artikel „Der Mensch steht im Fokus“ mit einem Klick hier von unserer Homepage anschauen und / oder downloaden. Und wen es interessiert, kann unten noch weitere Beiträge von Kerstin zum Thema lesen.

Viel Spaß dabei – und allzeit gutes, vielleicht irgendwann elektrisches, „Moven“…

 

Artikel „Mobilitätskulturen determinieren Potenziale“
Artikel „Radfahrer brauchen stärkere Lobby“
Radar Kicker Interview zu Mobilitätsforschung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.