Internet aus dem Himmel: Per Flugzeug und Ballon

27. Februar 2020 | Fabian Oppel
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ast die Hälfte der Weltbevölkerung hat keinen Zugang zum Internet. Besonders in abgelegenen Gebieten fehlen Sendemaste um ein flächendeckendes Netz zu gewährleisten. Das Project Loon der Google-Mutter Alphabet sowie PHASA-35 von Prismatic entwickeln Technologien, um autark Internetsignale senden zu können. Loon funkt mit Ballons aus einer Höhe von 20 Kilometern, PHASA-35 über eine vollautonome Solardrohne, die bis zu einem Jahr in der Luft bleiben kann. Beide Projekte stellen wir euch in diesem Blogpost vor.

Project Loon: Ballons zur Datenübertragung

Das Projekt Loon wurde 2018 von der Google-Mutter Alphabet gegründet. Seit 2011 hat der Konzern bereits an den Internet-Ballons geforscht, jetzt wurde aus dem Forschungsprojekt ein eigenes Unternehmen. Die Heliumballons des Project Loon können 40 Kilometer weit funken und fliegen in circa 20 Kilometern Höhe. Für eine große Reichweite setzt Loon ein Netz aus mehreren Ballons ein, die untereinander kommunizieren und ihre Position autonom verändern können. Sieben Ballons können bereits eine Fläche von 1.000 Kilometern mit LTE Internet versorgen. Über 100 Tage können die solarbetriebenen Ballons in der Luft bleiben.

Einer der Heliumballons von Loon, die in 20 Kilometern Höhe LTE verfügbar machen. Source: Loon.

Im Oktober 2017 hatte Loon den ersten  Einsatz, nachdem in Folge eines Hurrikans in Puerto Rico die Telefonverbindung zerstört war. In Kenia wurde dann 2019 ein Mobilfunknetz per Heliumballons aufgebaut. Das Project Loon ist also eine innovative Technologie, die nicht nur Menschen in entlegenen Gebieten einen Internetzugang ermöglichen, sondern auch bei Ausfällen ein schnelles „Notfall-Internet“ bereitstellen kann.


Imagevideo von Loon.

PHASA-35: Solardrohne fliegt ein Jahr am Stück

Im Februar 2020 gab das britische Unternehmen Prismatic bekannt, dass das unbemannte Langstreckenflugzeug PHASA-35 den ersten Testflug erfolgreich absolviert hat.

Außergewöhnlich ist der sehr geringe Energiebedarf, den das Flugzeug mit 30 Metern Spannweite hat. Vollautonom kann die Drohne bis zu ein Jahr nonstop in der Luft bleiben, über Solarzellen und Akkus angetrieben. PHASA-35 kann zivilen und militärischen Interessen dienen, der Jungfernflug startete auf einem Testgelände der Royal Australian Air Force. Das Defence Science and Technology Laboratory der britischen Regierung sowie das australische Pendant und Militär waren am Erst-Start beteiligt.


Imagevideo von Prismatic zum Jungfernflug des PHASA-35.

In erster Linie soll PHASA-35 eine Plattform für Überwachungs-, Kommunikations- und Sicherheitsanwendungen bieten, wie Flugrevue berichtet. Denkbar seien aber auch Einsätze für Katastrophenhilfe und Grenzschutz, beispielsweise durch die Bereitstellung von Kommunikationsnetzwerken inkl. 5G – zu einem Bruchteil der Kosten von etwaigen Satelliten.

Während sich das Google-Projekt Loon aktuell eher für humanitäre und zivile Zwecke einsetzt, ist PHASA-35 vor allem militärisch geprägt. Beide Projekte zeigen, dass es nicht immer Satelliten und Sendemasten benötigt. Beide Projekte behalten wir im Auge.

 

Beitragsbild-Source: Prismatic.

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