Ghost Kitchens: Virtuelle Restaurants – ohne Ladenlokal

Dass man beim Pizzabäcker um die Ecke nicht mehr direkt anruft, sondern sein Essen über einen der verschiedenen Delivery-Services wie Lieferando oder Lieferheld bestellt, ist inzwischen gang und gäbe. Quasi „nebenher“ verkaufen die klassischen Gastronomen auch online. Für gewöhnlich haben Restaurants, bei denen man bestellt, aber immer auch einen Gastraum. Mit zunehmender Anzahl der sogenannten Ghost-Restaurants oder -Kitchens wandelt sich dieses Verständnis von Delivery-Food allerdings. Kurt Imminger, Food-Experte bei der GIM, hat dazu eine Einschätzung gegeben.

Bei Ghost-Restaurants sind solche Gasträume passé – sie liefern direkt an den Konsumenten.
Worum geht’s beim neuen Food-Konzept?

Ghost-Restaurants bieten Delivery-Only-Konzepte, die ganz ohne Bewirtung vor Ort, Gastraum oder sonstige direkte Interaktion mit Konsumenten auskommen. Bestellt wird online, es gibt eine Küche und Köche. Das war’s. Die bekannten Delivery-Dienstleister übernehmen dann ab hier. Ein Beispiel ist das Start-Up „Keatz“ aus Berlin mit Küchen in verschiedenen Städten, aktuell in West- und Mittel-Europa.

Immer mehr Start-Ups gehen mit dieser Strategie in den Markt – die Konkurrenz ist groß. Mit klassischen Take-Away- bzw. Delivery-Gerichten wie Pizza, Pasta und Co. braucht man jedoch nicht ins Rennen gehen, denn etablierte Restaurants vertreiben diese Klassiker zur Genüge.

Umkämpfter Markt

„Hier ist eine Varianz gefragt, die mehr Abwechslung auf den Tisch der Konsumenten bringen soll. Jenseits eines Sets von sicheren Rezepten, die man selbst beherrscht und leicht im oftmals stressigen Alltag auf den Tisch zaubern kann, müssen Provider die Rolle des Variety-Spezialisten einnehmen, und dies geht nun mal am leichtesten mit internationalen Gerichten“, weiß der GIM Food-Experte und Senior Research Director Kurt Imminger aus seiner Forschungsarbeit.

Bestellungen kommen online. Die Lieferungen übernehmen die gängigen Dienstleister.
Neue Geschäftsmodelle – Millionen Investments

Auch der Uber-Gründer Travis Kalanick ist in der Delivery-Only-Gastronomie aktiv. Statt aber selbst zu kochen, stellt er interessierten Gastronomen Küchen zur Verfügung. Mit seinem Unternehmen Cloud Kitchens stellt er also die nötige Infrastruktur bereit.

Für Investoren sind Delivery-Only-Konzepte interessant – Keatz wurde in der Vergangenheit mit mehreren Millionen Euro unterstützt. Besonders interessant sei das Geschäftsmodell laut deutsche-startups.de wegen der guten Skalierbarkeit: Zwischen zehn und 20 Prozent verdiene Keatz mit jeder Bestellung.

Bunte und vielfältige Bowls – solche „made for delivery“ Gerichte bieten Ghost-Restaurants wie Keatz besonders häufig an.

Sieht so die Zukunft aus?

„Vermutlich splittet sich der Markt immer weiter auf. Wurde lange Zeit das Essen überwiegend am heimischen Herd zubereitet, hat dies in Umfang und Aufwand tendenziell abgenommen“, so Kurt. Dem Konsumenten von Delivery Food ist es am Ende nicht wichtig, ob das Restaurant, bei dem er bestellt, auch einen Gastraum hat – das Delivery-Geschäft und klassisches Ausgehen im Restaurant steht nicht in Konkurrenz zueinander.

 

Die GIM Food-Verantwortlichen Senior Research Director Kurt Imminger und Senior Research Managerin Stefanie Gröbe.

Weitere Infos über die GIM Food-Forschung findet ihr hier.

Kontakt: k.imminger@g-i-m.com  | s.groebe@g-i-m.com

 

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