Food Trucks: Die Wiedergeburt der Imbissbude (Teil 2)

Nachdem wir schon letzte Woche über den zunehmenden Trend der Food-Truck-Bewegung in Deutschland berichtet haben, folgt nun der zweite Teil des Artikels. Diesmal geht es um den Ursprung sowie um die Kochlöffel-schwingenden Betreiber der rollenden Mampf-Buden. Auch der mit den Trucks verbundene Boom der Streetfood Festivals wird unter die Lupe genommen.

Was sind Streetfood Festivals?

Was ist Laksa? Wie schmeckt ein Makkaroni-Käse-Sandwich? Oder: Wie viele verschiedenen Gerichte passen in einen Magen? Diese Fragen lassen sich auf sogenannten Streetfood Festivals beantworten, die derzeit überall in Deutschland boomen. Das kulinarische Angebot ist kunterbunt gemischt und soll die Besucher dazu einladen, zusammen zu kommen und sich durch verschiedene Nationalitäten und Essenskreationen zu schlemmen. Begleitet von DJ-Klängen und selbstgebrauten Brausen und Bier,  finden die Events meist in urbanen Locations statt und gehören für begeisterte Food-Fans, Feinschmecker und Blogger zum „Place to be“.

Street Food Indulgence: a Worldwide Mushrooming Trend from Oliver Schrott Kommunikation on Vimeo.

In Berlin, der Hochburg der deutschen Streetfood-Bewegung, hat sich ein großer Street-Food Markt in der Markthalle Neun etabliert, der jeden Donnerstag seine Pforten öffnet. Auch in Düsseldorf, Hamburg, München und Stuttgart gibt es in Anlehnung an die Hauptstadt  mittlerweile einen Street Food Thursday. Food Trucks und Food Festivals sind aber mittlerweile kein reines Großstadt-Phänomen mehr. Zunehmend kommen auch kleinere Städte (wie etwa Heidelberg) auf den Geschmack der mobilen Imbissbuden.

Wer hat‘s erfunden?

Nein es waren nicht die Schweitzer 🙂 Der aktuelle Boom der Food Trucks kommt, wie soll es auch anders sein: aus den USA. Seit einigen Jahren gehören diese dort zum Stadtbild der großen amerikanischen Metropolen wie etwa Manhattan, Los Angeles oder Washington D.C.. Doch eines Blickes bedarf es auch in die andere Himmelrichtung: Denn ursprünglich liegen die Wurzeln des Essens auf Rädern in den Garküchen Asiens. In Vietnam, Thailand oder auch Indien gehört es längst zum selbstverständlichen Alltag, an kleinen mobilen Straßenständen frische Gerichte und Snacks in handlichen Portionen zu erhalten, die aus regionalen Zutaten zubereitet werden.

Wer steht hinter der Theke?

Die Betreiber der Trucks kommen aus ganz unterschiedlichen Richtungen: Da gibt es die Quereinsteiger, die vorher nichts mit Lebensmitteln zu tun hatten. Ob auf der Suche nach einer Abwechslung im Job, der Ambition eine Nachfrage bedienen zu wollen oder einfach nur aufgrund der Leidenschaft zum Essen – es lassen sich zahlreiche Gründe für die Anschaffung eines Food Trucks finden. Dann gibt es die jungen kreativen Gastronomen, die neue Konzepte ausprobieren wollen und mit ihren Trucks inmitten des städtischen Trubels einen neuen urbanen Lifestyle ausdrücken. Unter den Betreibern lassen sich aber auch erfahrene Gastronomen etablierter Gourmet-Restaurants finden, die gemäß dem Motto „Back to the Roots“ ambitioniert sind, simple ehrliche Gerichte in Perfektion unters Volk zu bringen – und das zu bezahlbaren Preisen.

Für viele verkörpert die Food-Truck-Kultur ein Stück Freiheit: Ob wegen der ständig wechselnden Standorte und Anlässe oder einfach auch nur deswegen, weil man etwas Neues ausprobieren kann, ohne gleich immense Investitionen auf sich nehmen zu müssen. Manche nutzen auch die Trucks ganz bewusst als Testfläche, um neue gastronomische Konzepte auszuprobieren, bevor sie ein Restaurant eröffnen. Andere wiederum ergänzen ihren bereits bestehenden Gastronomie-Betrieb um eine mobile Variante. Umgekehrt werden mache Truck-Betreiber aufgrund ihres Erfolgs auch sesshaft. So wie zum Beispiel The Holy Taco Shack in Freiburg, dass seit Anfang des Jahres  neben seinen Trucks auch ein Restaurant betreibt.

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Ein von Japeai (@japeai) gepostetes Foto am

GIM Research Manager und Food-Expertin Julia Eymann über den Trend: Food Trucks vereinigen das Bedürfnis nach Convenience und dem besonderen Ess-Event. Sie bieten oft eine kreative Abwechslung im Essensalltag und sind damit eine willkommene Alternative zur Kantine oder dem Bäcker um die Ecke. Die optische Ästhetik der Gerichte unterstützt den Trend sein Essen zu fotografieren und die Foodies per WhatsApp, Instagram, Facebook und Co. zu verbreiten. Somit wird aus dem kulinarischen Erlebnis auch gleich ein sozialer Event. Da die Foodtrucks nur temporär begrenzt an einem Ort verfügbar sind, wird zudem der Reiz des Besonderen geweckt, was wir derzeit auch bei dem Konzept der Pop-up-Stores beobachten. Zudem kommen die oft regionalen und biologischen Zutaten, den wachsenden Ansprüchen entgegen, sich gesund ernähren zu wollen.

Unterm Strich kann man sagen: Foodtrucks sind deshalb so erfolgreich, weil sie verschiedenste aktuell zu beobachtende Bedürfnisse gleichzeitig bedienen: Convenience, Gesundheit, Nachhaltigkeit, Wunsch nach dem Besonderem und ästhetisch anspruchsvollen Essen, Wunsch nach Events und sozialem Erlebnis.

Julia Eymann

Wenn Ihr mehr über das Thema Food Forschung erfahren wollt, wendet Euch bitte direkt an GIM Senior Research Director Kurt Imminger (K.Imminger@g-i-m.com), Research Manager Julia Eymann (j.eymann@g-i-m.com; Vegan-Expertin) oder Senior Research Manager Dr. Mirjam Hauser (M.Hauser@g-i-m.ch, GIM Swiss) .

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