GIM Food forschung: Kochblogs aus Sicht der Marktforschung (Teil 1)

Im Fernsehprogramm reiht sich eine Kochsendung an die andere und im Internet sprießen weltweit Kochblogs jedweder Couleur wie die Pilze aus dem Boden. Laptop, Tablet und Smartphone geben tiefe Einblicke in Rezepte aus aller Welt, während von Mehlspuren benetzte Kochbücher fröhlich im Schrank vor sich hingilben. Egal ob vegetarisch, vegan, saisonal, regional, laktose- oder glutenfrei – für jeden Gaumen findet sich der passende Blog. Gemeinsam ist allen eines: das Essen. Im Interview mit GIM Senior Research Director und Food-Experten Kurt Imminger spricht GIM Radar über den Boom der Food-Blogs. Lesen Sie hier den ersten Teil!

Hallo Kurt! Ich freue mich, dass du dir Zeit genommen hast. In unserem Interview soll es ja heute um den Boom der Kochblogs gehen. Bloggen scheint in aller Munde zu sein: Von Starköchen wie Jamie Oliver über Kochzeitschriften wie Lecker bis hin zu privaten Erfolgsgeschichten wie Gourmet Guerilla – es wird gebrutzelt, fotografiert und geklickt. Daher gleich mal eine generelle Frage: Was sind Food-Blogs und wie kam es zur Entwicklung dieses Trends?

Jetzt könnte man ja mit dem Allgemeinplatz ankommen und erklären, dass Bloggen halt nun mal in vielen oder vielleicht allen Bereichen des Lebens Einzug gehalten hat, warum dann nicht auch beim Essen? Im Gegensatz zu Auto fahren, Fußball spielen, Pflanzen pflegen etc. muss schließlich JEDER Mensch essen.

Aber das greift viel zu kurz. Ich dreh den Spieß einfach mal um: In welcher Kategorie jenseits von Urlaubsfotos und vielleicht noch Basteln, werden so gerne Erfahrungen und Erlebnisse mit-„geteilt“? Schon unsere Mütter haben im Bekannten- und Verwandtenkreis nichts lieber gemacht als Kuchen- oder Koch-Rezepte weiterzugeben! Und heute in digitalen Zeiten wird eben auf gut Neudeutsch „geshared“.

Also ob sie nichts lieber gemacht haben kann ich nicht beurteilen 🙂 …

Aber zumindest kann man sagen – auch wenn wir beide die Steinzeit nicht erlebt haben – dass das Essen für Menschen schon immer etwas Gemeinschaftliches, Verbindendes und Einladendes war. So eine Vergemeinschaftung verstärkt das „Wir“-Gefühl, das viele Menschen brauchen wie die Luft zum Atmen. Im Internet kann man sich heute sehr einfach mit Gleichgesinnten kurzschließen. Zudem tritt man aber in der virtuellen Gemeinschaft wie auch im Freundeskreis mit so einem Blog auch deutlich in den Vordergrund. Also Profilierung und Schulterschluss in einem. Wann hat man das schon?! Aber man muss auch sagen, dass Blogs natürlich auch deswegen so erfolgreich sind, weil die technische Grundlage dafür so einfach geworden ist.

Senior Research Director und Food-Experte Kurt Imminger.
Senior Research Director und Food-Experte Kurt Imminger.

Stimmt, da kann ich aus eigenen Erfahrung sprechen. WordPress ist – finde ich zumindest – schnell zu erlernen und recht simple in seiner Bedienung.

Genau, viele Blogger nutzen WordPress oder haben damit angefangen. Es ist ja immerhin nicht jedermanns Sache gleich ein ausgefeiltes Content Management System zu bedienen.

Wie sieht es denn inhaltlich mit den Blogs aus? Ist Food-Blog gleich Food-Blog? Oder lassen sich hier Kategorien ausmachen? Laut der Redaktion des AMA Food Blog Award gibt es alleine in Österreich mehr als 150 Food-Blogs, die in ihrer Ausprägung und ihren Botschaften ganz unterschiedlich sind.

Nein, die sind ganz sicher nicht gleich. Schon handwerklich nicht. Bei einigen muss man einfach sagen: „Hut ab!“ Das sind oft RICHTIGE Multitalente! Vordergründig geht es ja immer „einfach“ nur um’s Kochen oder Backen. Aber gleichzeitig wird arrangiert, dekoriert, oft ganz hervorragend fotografiert und eine flotte Feder beim Texten schadet auch nicht. Das alles muss dann ins CMS rein und mit Facebook, Twitter und Instagram selbstverständlich verlinkt werden – Das  muss man erst mal alles hinbekommen!

Dann gibt es natürlich auf der einen Seite Spezialisierungen aber auch Dehnungen, bei denen sich Blogger und Leser in ihrem Interesse treffen. Früher endete die Spezialisierung zum Beispiel oft beim Stichwort „vegetarisch“, heute wird man überschwemmt mit viel spezielleren Angeboten wie „vegan“, „frutarisch“, „Lakto-vegetarisch“ oder gar „Ovo-Lacto-vegetarisch“. Mit „Dehnung“ ist gemeint, dass manche Blogs jenseits der Rezepte und Zubereitungstipps auch Einkaufstipps zu Märkten, Direktanbietern oder auch Ausflugstipps mit Restaurant-Empfehlungen anbieten. Das geht dann schon fast in Richtung Freizeitportal.

Stimmt, bei meinen Lieblings-Food-Blogs bekommt man gleich ein ganzes Lebenskonzept medial vermittelt. Es ist schon faszinierend wie vielfältig und professionell manche Blogs umgesetzt werden. Immerhin handelt es sich ja bei den Bloggern nicht um Journalisten, Profiköche, Fotografen oder dergleichen. Oder etwa doch? 

Also es gibt schon Blog-Betreiber, die tatsächlich aus anderen Disziplinen als dem Kochen kommen, z.B. aus der Food-Fotografie! Und es gibt nicht nur Einzelkämpfer, sondern hinter den größeren Blogs stehen ganze Teams. Wie soll eine einzelne Hobby-Bloggerin auch 500 Kochbücher glaubwürdig rezensieren? Aber noch sind das Ausnahmen, wenn auch hierzulande zu lesen ist (nicht nur auf die USA bezogen), dass die Professionalisierung immer höher wird.

Und woher kommt bei den übrigen Bloggern die Ambition ein Hobby in ihrer Freizeit derart digital  aufzuziehen?

Eigentlich ist es doch wie im Sport: Es gibt viele, die irgendeinen Breitensport betreiben. Nehmen wir zum Beispiel Fußball. Das ist eine gute Voraussetzung dafür, dass sich aus dieser Breite heraus exzellente Einzeltalente an der Spitze etablieren. Und bei Food-Blogs ist es offensichtlich nicht anders, wenn man sich deine AMA-Zahlen für Österreich nochmal in Erinnerung ruft. Und einen Hang zur Selbstdarstellung braucht man dazu sicherlich auch.

Freuen Sie sich auf den zweiten Teil des Interviews. Unter anderem wird es darum gehen, welche Bedeutung Blogs für Unternehmen haben und welche Zukunft den Online-Kochbüchern noch bevorsteht…  

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte direkt an GIM Senior Research Director Kurt Imminger (K.Imminger@g-i-m.com) oder Julia Eymann (j.eymann@g-i-m.com; Vegan-Expertin).

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