Deutschlandfunk-Interview mit GIM Food-Expertin Dr. Hauser

Essen. Etwas so Alltägliches und deshalb vermeintlich Banales ist gleichzeitig eines der spannendsten Themen unserer Zeit und obendrein von großem Forschungsinteresse. Auf Konsumenten-seite steigt zunehmend das Bewusstsein über das, was auf unseren Tellern landet. Aspekte wie Nachhaltigkeit, Natürlichkeit, Transparenz und Vielfalt werden von verschiedenen Branchen immer stärker berücksichtigt. Auch von der Lebensmittelindustrie – man möchte es vielleicht nicht glauben, wenn man an Massen-tierhaltung und diverse Lebensmittelskandale der letzten Jahre denkt. Und doch gewinnt diese Entwicklung im Food-Bereich an Bedeutung!

Unsere Food-Expertin Dr. Mirjam Hauser (Senior Research Manager bei der GIM Suisse in Zürich) nahm vergangenen Freitag an einem längeren Deutschlandfunk-Interview  zu den aktuellen Entwicklungen im Food-Sektor, aber auch Trends im Bereich von Konsumentenbedürfnissen teil (Link zum ganzen Interview findet Ihr hier).

Sie stellt unter anderem fest, dass die Lebensmittelindustrie durchaus um die vermeintlich bevorstehende Wende der Branche weiß, die von informierten und kritischen Konsumenten vorangetrieben wird. Bewegungen wie Slow Food, Bio und Urban-Farming oder der massive Trend zum Vegetarismus und Veganismus machen dies deutlich. Und so wundert es nicht, dass Veggie-Produkte mittlerweile in der Angebotspalette traditionsreicher Marken zu finden sind, die man sonst eher mit Wurst, Schinken oder Schnitzel assoziiert.

Alle Veggie Produkte
Einige Wursthersteller wie etwa Rügenwalder Mühle reagieren auf den Veggie-Trend. ” Sie wollen zeigen, dass sie auch gesunde vegetarische Produkte produzieren können, die geschmacklich überzeugen – und das ohne ein schlechtes Gewissen im Nachgeschmack. Es geht also auch ein Stück weit ums Image.”, so GIM Research Manager und Vegantrend-Expertin Julia Eymann über den Trend zu Fleischersatzprodukten. Foto: Dominique Facciorusso.

Dieser Wertewandel hin zu einem bewussten und kritischen Konsum lässt sich aktuell branchenübergreifend feststellen. Zudem zeichnet sich in westlich geprägten Märkten tendenziell eine gewisse Saturiertheit in Sachen Konsum ab, die mit einer kritischeren Haltung gegenüber dem Konsum sowie dem Bewusstsein bzgl. der eigenen CO2-Bilanz verbunden ist. Nicht nur im Food-Bereich, sondern auch in anderen Branchen haben es die Unternehmen mit informierteren und kritischeren Konsumenten zu tun.

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Früher hatte das gemeinsame Abendessen in der Familie einen zentraler Bestandteil. Doch wann und wie isst man heute zu Abend? Die Wertehaltung der Menschen zeigt, dass der Wunsch nach einem gemeinschaftlichen Essen nach wie vor stark ausgeprägt ist und im Vordergrund steht. Erfahren Sie hier mehr dazu. Foto: Ali Inay by Unsplash.

Die Menschen wollen „gutes“ Essen, das von Anfang bis Ende authentisch, transparent und ursprünglich bleibt. Die Lebensmittelindustrie reagiert auf diese Bedürfnisse, indem sie die Konsumenten über die Herkunft, Herstellung, Verarbeitung und Zusammenstellung ihrer Produkte informiert. Bereits etablierte Lebensmittelhersteller geraten dadurch unter Druck, denn sie müssen Einblicke in ihre Herstellungsprozesse gewähren und dürfen zudem nicht in Verdacht geraten, dass entsprechende “Transparenzoffensiven” nur dazu dienen, das Image aufzupolieren (Stichwort “Greenwashing” im Kontext von Nachhaltigkeitsthemen).

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Die Leute sehnen sich nach “gutem” Essen und stehen dabei häufig vor dem Dilemma: Was ist jetzt tatsächlich gut? Die Bio-Tomate aus Spanien oder doch besser die regionale konventionell angebaute Tomate? Erfahren Sie hier mehr dazu. Foto: Anda Ambrosini by Unsplash.

Die Gastronomie reagiert ebenfalls – wenn auch im Moment noch zaghaft. Gästen werden zum Beispiel die “Geschichte” hinter den Speisen und Angeboten erzählt: Woher kommen die Lebensmittel? Wie werden sie hergestellt und unter welchen Bedingungen? Bestehen vielleicht persönliche Bekanntschaften zwischen Restaurant-Besitzern und ihren Köchen – und den Bauern, die einige Schritte zuvor das Fleisch oder das Gemüse in den Kreislauf “eingespeist” haben, der auf dem Teller endet?

Unbestritten ist, dass Hersteller und Verarbeiter von Speisen generell stärker in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken. Auch in der klassischen Fast-Food-Branche orientiert man sich an neuen Standards: Über das Angebot qualitativ hochwertigerer Zutaten versucht man vermehrt aus der “ungesunden Ecke”, in der man nun einmal wegen des Angebots zu stecken scheint, heraus zu kommen (aktuelles Beispiel aus den USA: Chipotle – die gerade den FF-Markt überm Teich aufmischen: https://www.chipotle.com)

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Vertrauen als fundamentaler Aspekt, um den Konsumenten glücklich zu machen: Von welchem Produzenten stammt das Fleisch? Wie werden die Tiere gehalten? usw. (…) Fragen wie diese interessieren zunehmend die Verbraucher. Foto: Angelina Litvin by Unsplash.

Neben der Gastronomie reagiert auch der Handel auf die veränderten Konsumbedürfnisse: Neben den ready-to-eat Menüs, die nur noch aufgewärmt werden müssen, werden auch ready-to-cook Gerichte immer öfter angeboten.

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Vom Fast zum Slow Food: “Wurde der Burger noch bis vor Kurzem generell mit eher minderwertigem Essen und ungesunder Ernährung assoziiert, so gilt er heute auch für kulinarisch interessierte und gesundheitsbewusste Menschen als eine echte Alternative.”, so GIM Research Manager Sebastian Maetje zum Burger-Trend in einem anderen Post im Radar. Foto: Parvinder Kalsi by Unsplash.

Auch wenn das Wissen über “gutes” Essen an sich verfügbar ist, so muss sich der Konsument bislang selbst zum Gastrosophen bzw. Experten machen, was für viele mit einem erheblichen Aufwand verbunden ist. Hier kann die Lebensmittelbranche noch einiges tun: Um die Kaufentscheidung für den Kunden zu erleichtern, muss der Konsument noch umfassender informiert und das Angebot noch stärker auf eine umfassend gute Ernährung ausgerichtet werden.

Soweit die Essenz der Kommentare unserer Kollegin Mirjam zu diesen wirklich spannenden Themen. Hier noch der Link zu ihrer Homepage mit weiteren Links zu spannenden Medienbeiträgen und Publikationen .

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