Florian Allgayer: Marketingjournalist mit Musik im Blut (Teil 1)

Florian Allgayer ist ein weit gereister Journalist in der hiesigen Marketing- und Mediabranche. Seit geraumer Zeit lebt er in München und schreibt als freier Autor und Redakteur für renommierte Branchenmedien wie w&v, berät aber auch seit langem schon Unternehmen in Sachen PR und Kommunikation strategisch. Vor etwa 15 Jahren kreuzten sich seine Wege mit denen der GIM. Seitdem ist Florian mit uns regelmäßig in Projekten und Beratungsprozessen verwoben. GIM Radar Redakteur Frank Luschnat sprach mit ihm über seinen Job und sein Leben jenseits von Marketing- und Kommunikationsthemen…

Hallo Florian, und herzlich Willkommen zu unserem Interview. Ich freue mich wirklich, dass Du Dir die Zeit nimmst – und dass wir uns mal wieder hören!
Hallo Frank, die Freude ist ganz auf meiner Seite. Gesehen haben wir uns ja zuletzt auf der Research & Results im Oktober letzten Jahres.

Genau, in München, ist ja gar nicht so lange her. Florian, Du bist schon lange als freier Journalist im Bereich Marketing und als Kommunikationsberater tätig – seit wann eigentlich genau?
Als freier Journalist bin ich seit mittlerweile 18 Jahren tätig, Kunden im Bereich PR- und Unternehmenskommunikation berate ich mit meinem losen, aber weit verzweigten Netzwerk von PR-Experten und spezialisierten Journalisten seit rund 15 Jahren.

Also ein, mit Verlaub, „alter Hase“. Du stammst aus einer verschlafenen Ecke in Rheinland-Pfalz, in der ich auch aufgewachsen bin. Wie kommt man von dort ins umtriebig-mondäne München?
Mit der verschlafenen Ecke meinst Du Pirmasens in der Pfalz. Die Stadt ist den meisten Menschen leider nur aus Medienberichten bekannt, in denen es beispielhaft um den Niedergang einer Region oder die überdurchschnittlich hohe Verschuldung von Privathaushalten geht – womit man allerdings der Stadt und der Region nicht gerecht wird.

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Florian als Moderator eines Seminars bei der Deutschen Post.

Immerhin die ehemalige Schuh-Hauptstadt Deutschlands…
Genau! Ich bin gleich nach dem Abitur nach München, das ist jetzt 33 Jahre her. Wir Pirmasenser haben schon immer den „Zug“ nach München gehabt, wahrscheinlich deshalb, weil München einerseits eine tolle Vielfalt bietet, andererseits doch auch für uns Pfälzer noch überschaubar ist. Meinen pfälzischen Tonfall habe ich übrigens bis heute bewahrt, das kriegt man nicht raus. In die Pfalz zieht es mich und meine Familie allerdings immer wieder, mindestens einmal im Jahr.

Ja, das mit dem Dialekt kenne ich nur zu gut – aber das Bekenntnis zur Region ist ja auch im Marketing schwer in, von daher liegen wir ja voll im Trend 🙂 Wie bist Du zum Journalismus gekommen?
Mein akademischer Background sind vier Semester BWL und ein Magister Artium in Musikwissenschaft als Hauptfach sowie Anglistik und Psychologie. Nun waren die Berufsaussichten für Musikwissenschaftler ja noch nie sehr vielfältig – auch wenn Axel Springer-Chef Döpfner natürlich ein Beispiel dafür ist, wie weit man es als Musikwissenschaftler bringen kann 🙂 Der gewöhnliche Musikwissenschaftlerjob sieht aber zum Beispiel eher so aus, dass man eine Neubewertung mittelalterlicher Musikhandschriften vornimmt – das war mir dann doch etwas zu lebensfern.

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Bei der Arbeit…na ja fast 🙂

Kann ich gut verstehen, ich hatte in Musik eh immer bestenfalls ne 4 im Zeugnis…
Na, da war ich aber doch schon etwas besser J Aber auch die Aussicht, als Musikkritiker bei einer Tageszeitung zu arbeiten, schien mir nicht verlockend auf Dauer. Ich habe deshalb schon während des Studiums viele Kontakte in die Industrie geknüpft, Praktika gemacht, kleinere Projekte betreut und so weiter. Damit habe ich meinen Horizont jenseits Choral-Notation und historischer Aufführungspraxis erweitert. Nach meinem Studium jobbte ich für verschiedene Special Interest-Verlage – über diese publizistische Nische bin ich dann zum Journalismus gekommen. Erst mal als angestellter Redakteur, ab 1997 dann selbständig.

Was waren Deine Antriebe? Journalist wird man ja nicht grad aus einer Laune heraus…
Naja, Grundvoraussetzung für den Beruf des Journalisten – wie wohl auch für den des Marktforschers, oder? – ist Neugier. Und Themen, die meine Neugier wecken, gab es immer und wird es immer geben. Insbesondere interessieren mich die Menschen, die hinter Entscheidungen stehen – und faszinierend finde ich, wie es oft nur Nuancen sind, die Entscheidungen beeinflussen. Das ist mit ein Grund, warum ich beispielsweise ein begeisterter Leser von „Cicero“ bin: weil da Hintergründe, auch persönliche, beleuchtet werden, von allen Seiten. Aber ich fuchse mich gerne auch in ganz abstrakte Themen ein. Und das gepaart mit meiner Geduld, Menschen zuzuhören, hilft mir bei der Begleitung meiner Kunden aus ganz unterschiedlichen Bereichen und Branchen und Themenfeldern durchaus.

Was wäre denn so ein „abstraktes Thema“?
Naja, Marktforschungsthemen zum Beispiel sind zwar nicht zwangsläufig abstrakt, können aber sehr komplex sein … oder der  Bereich Mediaplanung, ein echtes „Schwarzbrot“-Thema, mit dem ich mich journalistisch einige Zeit intensiv auseinandergesetzt habe. Da braucht es auf jeden Fall ziemliches Durchhaltevermögen.

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Mit Stephan Teuber, einem der beiden Managing Directors der GIM, bei der letztjährigen Martforschungsmesse „Research & Results“ in München.

Okay, verstehe! Ich selbst habe ja auch Publizistik studiert und wollte einst investigative Stories enthüllen. Wie man sieht, kam es anders. Hast Du auch mal so getickt?
Selbstverständlich. Vermutlich hast Du Dir – wie ich – auch gerne den Film „Die Unbestechlichen“ mit Dustin Hoffman und Robert Redford angesehen, die als Washington Post-Journalisten Carl Bernstein und Bob Woodward den Watergate-Skandal aufdecken … extrem gut!

Ja klar, allein die Namen der Beiden waren schon cool. Und bei der Szene, in der sie in die Redaktionsräume eingebrochen sind, habe ich mir als Frühjugendlicher fast…na ja, es war schon sehr spannend… 🙂 Es gab ja auch Oscars.
Genau – und das völlig zu Recht! Und dennoch kam bei mir dieser Wunsch, selbst auch mal aufsehenerregende Storys zu schreiben, erst später. Ich bin ja, wie geschildert, ein Spät-Berufener und zudem Quereinsteiger. Aus der großen investigativen Irgendwas-Gate-Story ist nie etwas geworden … aber ehrlich: Gegenüber einem Kunden Vertrauen aufzubauen und Informationen über seine Firma zu entlocken – einfach um ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, wie ein Unternehmen tickt – kann auch etwas von investigativem Journalismus haben!

Verstehe ich sehr gut! Du gibst das Stichwort vor: „Unternehmen“. Für welche bist Du momentan aktiv? Was sind das für Projekte, die Du für Deine Kunden umsetzt?
Die Palette der Projekte ist recht vielfältig, langweilig wird´s jedenfalls nie: klassische PR und Unternehmenskommunikation, Unterstützung bei der Inszenierung und Platzierung von hochspezialisierten Fachthemen, Corporate Publishing-Expertise oder die publizistische Begleitung von Studien (z.B. die recht bekannte Omnicom-Studie „media map 2015 – 2020“). Zu meinen Kunden zählen einige große Unternehmen der Medien- und Kommunikationsbranche. Zu vielen dieser Kunden besteht der gute Geschäftskontakt schon seit vielen Jahren – eine Tatsache, die mich stolz macht und mir zeigt, dass ich mit meiner eher ruhigen, reflektierenden Art wohl richtig liege 🙂

In der kommenden Woche gibt’s Teil 2 des Interviews – dann lernen wir Florian Allgayer etwas besser von seiner privaten (und musikalischen) Seite kennen…

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