Endspurt Litauen: Vom Berg der Kreuze bis zur Kurischen Nehrung

Wir verlassen Vilnius und streifen weiter durch Litauen Richtung Nordosten. Ab nun heißt es Endspurt… Denn nach drei eindrucksvollen Wochen, ruft wieder der Alltag. Lest hier den letzten Teil der Reisebericht-Serie.

In diversen Reiseführern heißt es man solle auf keinen Fall den Berg der Kreuze verpassen, der sich ca. 15 km nördlich der Stadtgemeinde Šiauliai (dt.: Schaulen) befindet. Als wir dort ankommen findet grade eine Prozession mit einer großen Menschenmenge statt. Das Fernsehen ist auch da. Im 10 Minuten-Takt rollen Busse mit Reisegruppen heran. Ohje – ziemlich touristisch hier. Nun sind wir aber schon mal da und wollen auch wissen, was diese Massen anzieht.

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Die Sekunden in denen grade keine Menschen vor die Linse laufen habe ich natürlich genutzt, um für euch ein paar Eindrücke festzuhalten. Fotos: Dominique Facciorusso.

Wir laufen auf einen lang gezogenen Hügel von ca. zehn Metern Höhe zu. Eine kleine Holztreppe führt durch das Meer an Kreuzen, Rosenkränzen und Christusstatuen. Obwohl extrem viel los ist, ist die Stimmung ruhig. Es ist irgendwie schon eindrucksvoll – egal wo man hinsieht: Aus jeder noch so kleinen Lücke blitzen Kreuze jedweder Größe und Beschaffenheit hervor. Bei manchen handelt es sich um richtige Kunstwerke 🙂 Zur Entstehung des Kreuzhügels gibt es viele Geschichten. Eine davon lautet, dass alle Aufständischen, die in Auflehnung gegen die russische Obrigkeit (1830/31 und 1863/64) gefallenen sind, dort heimlich begraben wurden. Die Kreuze sollten für deren Seelenheil sorgen.

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In der Hafenstadt Klaipėda befindet sich der mit Abstand wichtigste Seehafen Litauens. Fotos: Dominique Facciorusso.

Auch während der sowjetischen Okkupation des Landes haben Litauer, deren Angehörige nach Sibirien verschleppt wurden, dort in Gedenken Kreuze aufgestellt. In diversen Aktionen wurde der Ort während dieser Phase mehrmals zerstört und im stillen Protest von den Litauern wieder errichtet. So entwickelte sich der Hügel zum Symbol des nationalen Widerstands. Seit der Unabhängigkeit Litauens und vor allem durch den Besuch von Papst Johannes Paul II im Jahr 1993 erlangte der Wallfahrtsort auch international an Bekanntheit.

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Malerische Fischerhäuschen, üppige Blumengärten und der Blick auf die raue Ostsee. Alle Fotos: Dominique Facciorusso.

Wir verlassen den Berg der Kreuze und machen uns auf zur Ostsee. Circa 12 km nördlich von der Hafenstadt Klaipėda entfernt, finden wir inmitten des Regional Park Pajūrio einen wunderschönen Campingplatz. Zum Strand sind es grade mal 300 Meter… Die See ist rau und stürmisch und das Wetter schlägt täglich von Sonnenschein in Gewitter um. Perfekt also für lange Spaziergänge am Strand und russische Fass-Sauna am Abend.

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Fischerhäuser in Nida. Alle Fotos: Dominique Facciorusso.

Wir unternehmen einen Tagesausflug auf die Kurische Nehrung. Die Fährfahrt von Kleipeda nach Smiltyne dauert keine zwei Minuten. Die 98 km lange und bis zu 4,5 km breite Landzunge ist südlich mit dem russischen Festland verbunden. Der nördliche Teil der Halbinsel ist litauisch und wurde zum Nationalpark Kuršių Nerija erklärt. Die Landstraße 167 zieht sich durch den gesamten Nationalpark vom Fischerdörfchen Smiltyne bis nach Nida – links das Festland in Sicht, rechts die Ostsee.

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Alle Fotos: Dominique Facciorusso.

Und wie es der Zufall so will, müssen wir plötzlich eine Vollbremsung hinlegen, weil ein ELCH unseren Weg kreuzt. Sichtlich unbeeindruckt (im Gegensatz zu uns und all den anderen Autofahrern) schlendert die Elchkuh die Straße entlang und knabbert das junge Grün von den Bäumen. Zudem scheint sie sehr durstig: Seelenruhig läuft sie eine Pfütze nach der anderen ab, kniet sich hin und trinkt unter laut hörbaren Schlürf-Geräuschen das Regenwasser. Was ein Anblick! Alle zücken ihre Kameras und Smartphones und knipsen und filmen was das Zeug hält.

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Äußerst fotogen! Alle Fotos: Dominique Facciorusso.

Wir scheinen vom „Tier-Glück“ verfolgt, denn grade mal ein Kilometer weiter sitzt an einem Parkplatz rechts der Straße ein Fuchs wie aus dem Bilderbuch geschnitten. Wir halten an, in der Hoffnung ein paar Fotos schießen zu können. Doch anstatt die Flucht zu ergreifen läuft der Fuchs schnurstracks auf unser Auto zu und inspiziert uns neugierig. Später erfahren wir, dass unser kleiner Freund in der Gegend bekannt ist, da er täglich an genau diesem Parkplatz darauf wartet von Touristen gefüttert zu werden. Ein richtiger Fuchs eben 😉

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Wilhelm von Humboldt: „Die kurische Nehrung ist so merkwürdig, daß man sie eigentlich ebenso gut als in Spanien und Italien gesehen haben muß, wenn einem nicht ein wunderschönes Bild in der Seele fehlen soll.“ Alle Fotos: Dominique Facciorusso.

Auf der Nehrung gibt es aber nicht nur eine erstaunliche Tierwelt, sondern auch eine wunderschöne Dünenlandschaft. Bei Nida befindet sich mit ca. 60 Metern eine der höchsten Dünen Europas. Doch es wird langsam Abend und so fahren wir zurück zum Campingplatz, da wir am nächsten Morgen Richtung Heimat aufbrechen wollen. Die letzten 1800 km rollen wir mit dem Eriba Puck gemütlich zurück nach Heidelberg – im Gepäck jede Menge litauischer Köstlichkeiten, Geschichten und Bilder.

Dominique Facciorusso

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Comments (1)

[…] bald den letzten Teil meines Reiseberichts an dieser […]

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