dmexco 2017: Einmal Digitalisierung und zurück (II)

In der letzten Woche hat uns unser Kollege von GIM Berlin, Dr. Sebastian Bönisch, erste Eindrücke von seinem Trip zur dmexco vermittelt. Teil zwei seiner Reportage von einer der größten Digitalmarketing-Messen weltweit gibt es heute. Viel Spaß beim Lesen wünschen wir Euch…

Das Internet of Things mit seinen vielfältigen Chancen und seinem großen Vernetzungspotential („Connected Living“ lässt grüßen!) ist ein weiterer Schwerpunkt der Messe. Und auch an Social Media in all seinen Facetten kommt man selbstverständlich nicht vorbei: Google und Facebook sind ebenso vertreten wie YouTube, Instagram und Twitter. Ein wichtiges Thema ist in diesem Zusammenhang das Influencer Marketing, das ich persönlich zwar immer noch nicht wirklich für voll nehmen kann, das aber wohl in bestimmten Zielgruppen und Produktkategorien wahre Wunder bewirken soll…

Auch die ganz Großen (Datensammler) sind vor Ort: Google, Facebook & Co. sind regelmäßige Aussteller bei der dmexco

Sehr prominent sind auf der Messe auch die (digitalen) Vermarktungsorgansiationen der großen Medienkonzerne vertreten, wie z.B. SevenOne Media (ProSiebenSat.1) oder G+J eMS (Gruner+Jahr), vermutlich wegen ihrer großen Reichweite und der engen Verzahnung von Werbung, Vermarktung, Content-Produktion und Zielgruppen-Expertise. In einer der vielen Podiumsdiskussionen erklären etwa der CEO der ProSieben-Sportsparte 7SPORTS und der Vorsitzende der Online-Spielervereinigung SK Gaming, wie sie gemeinsam den rasanten Aufstieg des sog. „eSports“, also des professionellen Spielens komplexer Multiplayer-Spiele vor Publikum, weiter beschleunigen wollen.

Es handelt sich hier wohl um einen Milliardenmarkt, und schon heute können in Amerika ganze Stadien gefüllt werden mit – zumeist jungen und männlichen – Zuschauern, die live bei virtuellen Sportwettkämpfen oder Multiplayer-Actionspielen dabei sein wollen. Dazu kommt eine schnell wachsende internationale Community, die diese Events online oder am Fernseher verfolgt. Auf die Frage, ob eSports jemals eine Chance gegen „echte“ Sportübertragungen haben wird, antwortet der Chef von SK Gaming betont selbstbewusst: „Natürlich! Ich habe schon heute mehr Follower als alle Spieler des 1. FC Köln!“…

Auch nicht fehlen dürfen die Vermarkter der großen Medienkonzerne. ..

Überhaupt mangelt es den dmexco-Protagonisten nicht an Selbstbewusstsein. Hier wird geklotzt und nicht gekleckert. Die Stände sind meist üppig und fantasievoll gestaltet, Kaffee, Sekt und Giveaways werden großzügig ans Messevolk verteilt, und auch die Standmiete verschlingt nach Aussagen einiger Aussteller ein kleines Vermögen, da Stellplätze auf der dmexco sehr begehrt sind. Das Tempo der Messe ist hoch, die Gespräche angeregt und engagiert, es herrscht eine optimistische und freudig-erregte, fast fiebrige Goldgräberstimmung, man merkt: Hier geht was! Und es ist ja auch wirklich faszinierend, wie sich im Zuge des globalen Digitalisierungstrends in wenigen Jahren eine milliardenschwere Branche quasi selbst erfunden hat und scheinbar all diejenigen mit schnellem Erfolg und satten Gewinnen belohnt, die eine gute Idee, ein Laptop und unternehmerischen Mut haben.

Beim Abwandern der vielen Hallen und Gänge – mein iPhone-Schrittzähler zeigt für den ersten Messetag 7 gelaufene Kilometer an und für den zweiten immerhin nochmal 6 km – lässt mir eine Frage keine Ruhe: Werden hier wirklich reale Werte geschaffen? Oder ist das Ganze ein einziger Hype? Gar eine Blase? Klar scheint zu sein: Die Branche ist äußerst erhitzt und schreit nach einer Konsolidierung.

Einer von hunderten Anbietern mit der perfekten Digitalstrategie…

Allein für die Konzeption, Realisierung, Messung und Optimierung von Email-Werbekampagnen tummeln sich hunderte kleine, mittlere und große Unternehmen, die nach eigenen Angaben alle die ultimative Lösung sämtlicher diesbezüglicher Probleme gefunden haben: exakte Zielgruppen-Identifikation, Relevanz, Personalisierung, Endgeräteunabhängigkeit, Verzahnung mit anderen digitalen Touchpoints, Ableitung relevanter KPIs, Tracking und Reporting derselben, Optimierung, … Es scheint schwer vorstellbar, dass sich diese nahezu identischen Lösungen mittelfristig alle am Markt behaupten können.

Klar ist aber auch: Rund um digitale Produkte und Dienstleistungen hat sich eine reichhaltige und vielfältig ineinander verwobene Branche entwickelt, deren grundsätzlicher Aufwärtstrend sich nicht so schnell abschwächen dürfte, im Gegenteil: Die relativ geringen Einstiegshürden in die digitale Produktentwicklung führt zu schnellen Entwicklungszyklen und einer hohen Fähigkeit der Branche zur Adaptation an neue Trends und Konsumentenbedürfnisse. Der Nachwuchs (Stichwort „Start-up Village“) steht in den Startlöchern und sitzt den etablierten Playern, die ab einer bestimmten Größe notwendigerweise unflexibler werden, permanent im Nacken.

Das belebt einerseits den Wettbewerb und tut der Produktvielfalt gut. Andererseits ist auf der dmexco auch der hohe Druck, unter den diese schnelllebige und komplizierte Branche ihre Akteure setzt, deutlich spürbar. Alles und alle auf dieser Messe wirken latent gehetzt, ungeduldig und immer auf dem Sprung zum nächsten großen Ding. Das Geschäft mit Bits & Bytes und Clicks & Likes mag lukrativ, aufregend und dynamisch sein, aber eines ist es sicher nicht: leicht.

Dr. Sebastian Bönisch: Senior Director Data Science & Software Engineering und „Herr der Daten“ der GIM 🙂

In der kommenden Woche gibts den letzten Teil des dmexco-Reports von Sebastian. Wenn Ihr Kontakt mit ihm aufnehmen möchtet, tut das gerne: s.boenisch@g-i-m.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.