Dive.tv will Fernsehen revolutionieren

Inzwischen hat man sich daran gewöhnt: in unserer digitalen Ära wird fast im Wochentakt das „nächste große Ding“ im Marketing ausgerufen. Programmatic, Social, Influencer – die Liste ist lange. In diese Big Thing-Riege reiht sich nun auch Dive.tv ein. Wer (wie ich) dahinter einen Tauch-Spartensender vermutet, irrt: Dive.tv ist nach Angaben des start-ups, das dahinter steht eine „Context Discovery Platform“. Hört sich erstmal technisch an, aber irgendwie schon auch spannend: Discovery klingt nach Abenteuer und Entdecken. Worum geht’s also?

Im Kern um eine Smart-TV Applikation, die es Zuschauern ermöglicht, Zusatzinformationen zu dem Movie oder der Serie abzurufen, die sie gerade auf dem Screen sehen. Man könnte vereinfacht sagen, es ist eine Art Augmented-Funktion – nur eben nicht auf dem Samrtphone sondern fürs Fernsehen. Über die Fernsteuerung kann man auf der Unterseite des Screens ein Fenster öffnen, in dem Infos zu den laufenden Szenen geliefert werden. Das soll dazu führen, dass man noch stärker als vielleicht eh schon in das Geschehen „eintaucht“ (= dive).

Einerseits Infos zu der Schauspielerin, die man sieht – andererseits Produktinfos und Shopping Möglichkeiten zu den gezeigten Produkten: Das soll zum „diven“ animieren  (Quelle https:// dive.tv)

Der „Context“, den es zu erschließen gilt, bezieht sich auf zwei Bereiche: Erstens gibt es Informationen zur Handlung selbst. Im Beispiel oben etwa: Name der Schauspielerin, Filme, in denen sie schon mitgewirkt hat, Verbindungen zu anderen Actors aus dem Film, Facts zum Ort, an dem die Handlunge gerade spielt und vieles mehr. Zweitens (rechte Seite des unteren frames) werden dazu ganz konkrete Infos zu Produkten geliefert und die Chance eröffnet, diese auch ad hoc (online) zu shoppen. Also entsprechend: welche Eigenschaften hat der Ring, den die Schauspielerin trägt, wie teuer ist er und wo bekommt man ihn.

Technologisch steckt ein ausgefeiltes tagging-System, also
natürlich die allgegenwärtigen Algorithmen hintendran (einer der Mega-Trends unserer Values & Visions 2030 grüßt aus der Ferne). Und damit nicht nur die Zuschauer einen vermeintlichen Nutzen von der ganzen Sache haben: Die Daten, die ebenjene Nutzer während des „divens“ hinterlassen, können die TV-Provider verwenden, um den Konsumenten gezielte Produktangebote zu liefern (behavorial targeting). Die Sache hat schon Charme. Aber mir kommen dennoch reflexartig dabei zwei Dinge in den Sinn: Will ich, wie im Netz, nun auch beim Fernsehen „verfolgt“ werden von re-targeting Produktangeboten? Und (als alter Cinéast): Stören die Infos nicht eher und hindern einem daran, in eine Handlung zu diven?

Wie auch immer, wir bleiben gespannt, wie es weitergeht. Wenn es Euch interessiert: Auf der Website von Dive.tv könnt Ihr mal schnuppern.

(Beitragsbild: Copyright Dive.tv)

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