Bissig, tiefgründig, kreativ – und wütend! Mut zur Wut 2017

Auf den Straßen in Heidelberg „wütet’s“ mal wieder! Seit 24. Juli heißt es zum inzwischen achten Male „Mut zur Wut“! Und das bedeutet: Plakate im öffentlichen Raum, die ins Auge stechen, im Kopf bleiben – und hoffentlich möglichst viele BetrachterInnen zum Nach- und Umdenken bewegen.

Das Plakatfestival „Mut zur Wut“ hat sich innerhalb weniger als eines Jahrzehnts weltweites Renommée erarbeitet. Das Prinzip: Engagierte Kreative auf dem gesamten Globus wandeln ihre Wut über politische, soziale, ökonomische und ökologische Missstände in Plakatmotive um. Diese reichen sie beim Wettbewerb ein und eine Fachjury prämiert dann 30 Poster, die hernach im öffentlichen Raum plakatiert werden. Denn sie sollen „genau dort für Diskussionen und Aufsehen sorgen, wo politische Veränderungen meist ihren Anfang nehmen: auf der Straße“ – so die Organisatoren auf ihrer Website.

Von der Straße, in den Kopf: Da soll sie wirken, die Wut!

Treue, beziehungsweise langjährige RADAR-Leser kennen das ehrgeizige Projekt. Ebenso wie einen der Initiatoren der ersten Stunde: Götz Gramlich – Plakatmacher, Grafiker, engagierter Künstler, Mensch. Die GIM unterstützt diese starke Initiative seit langem. Umso mehr freuen wir uns, dass uns Götz heute für die laufende Kampagne wiederum eine Steigerung der Einreichungen vermelden konnte: Mehr als 3.100 Motive (2014 noch 2.500) von Künstlern aus 55 Ländern zählt MzW inzwischen. Und das teils aus Staaten, in denen politisch Andersdenkende verfolgt und eingesperrt werden und Zensur herrscht.

Und da wären wir auch schon mittendrin in den Motiven, beziehungsweise: in den Misständen! Stichwort: Türkei. Dass Präsident Erdogan das Land offenbar sukzessive in eine präsidiale Diktatur entwickeln möchte, war eines der am meisten formulierten Themen. Getoppt wurde es lediglich von DEM beherrschenden politischen Sujet des letzten dreiviertel Jahres: Trump. Die Präsidentschaft des Twitter-Donalds nahmen extrem viele Kreative zum Anlass, ihre Wut über den Polit-Milliardär und seine skurrile Regierungstruppe in Kunst umzuwandeln. Götz Gramlich: „Man hätte locker eine eigene Ausstellung zu Trump hinbekommen“.

Trump, Erdogan und andere politische Irrläufer spielen auch in diesem Jahr wieder eine wichtige Rolle bei den Motiven. Aber auch andere strittige Themen werden aufgegriffen (z.B. die Männerdominanz im Design-Sektor) – ein wirklich weites Spektrum!

Daneben ging es um Themen, die uns leider schon lange und vermutlich auch noch sehr lange beschäftigen werden: Hunger, Armut, Krieg, Umweltzerstörung und Gender-Ungerechtigkeit. Man kann vor allen Kreativen für dieses gleichermaßen lauthals-kreative wie tiefsinnige Einmischen nur den Hut ziehen, vor allem vor jenen, die mit ihren Einreichungen ihre eigene Sicherheit oder Freiheit gefährden.

Übrigens: Es gibt auch Wanderausstellungen zu MzW. Aktuell läuft noch eine im Heidelberger Justizgebäude. Desweiteren wurde in der Vergangenheit bereits in Mannheim, Berlin, München, Giessen, Luzern (Schweiz), Perugia (Italien), Oaxaca (Mexiko) und Kuethaya (Türkei) und zuletzt in London plakatiert. Plaktatkunst ist eben – ebenso wie die Missstände, die sie thematisiert, global und grenzenlos.

Co-Initiator Götz Gramlich (z.v.r.) bei der Eröffnung der diesjährigen Wanderausstellung im Heidelberger Justizgebäude

Wir wünschen den Initiatoren, der Jury und allen, die an dem Projekt beteiligt sind, für die Zukunft weiterhin viel Erfolg und Esprit! Übrigens freuen sich die Macher von Mut zur Wut jederzeit über Diskussionen, Sharen des Projekts in sozialen Medien und natürlich auch jedwede andere Unterstützung. Die Initiative ist es Wert.

Wenn Ihr mehr erfahren wollt über die prämierten Einreichungen, die anderen Motive und was hinter ihnen steckt, über die Jury, über MzW an sich: Ein Besuch auf der Seite lohnt sich:

http://mutzurwut.com/

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