Annas Unverpacktes: Plastikfrei am POS – Teil 2

In Heidelberg-Neuenheim hat im Sommer letzten Jahres ein verpackungsfreier Lebensmitel- und Haushaltswarenladen eröffnet: Annas Unverpacktes. Lesen Sie nach dem ersten Teil hier die Fortsetzung des Radar-Interviews mit der Besitzerin Anna Wahala.

Gibt es weitere Artikel, die Du in Zukunft gerne anbieten möchtest? Wie sieht es zum Beispiel mit Milchprodukten aus?
Ich achte schon immer wieder auf die Nachfrage. Zum Beispiel wurde ich sehr oft auf Tee angesprochen und so habe ich vor Kurzem eine kleine Auswahl eingeführt. Ich würde gerne noch Essig und Öl zukünftig anbieten, doch da muss ich mich erst noch reinlesen. An sich ist mein Gedanke, eine Ergänzung zu der Straße zu sein. Es gibt hier zwei Mal in der Woche einen Markt, wie heute zum Beispiel. Da erhält man frische unverpackte Sachen wie Obst, Gemüse oder auch Käse. Das werde ich hier nicht anbieten, da ist der Markt wie ich finde die bessere Option. Dann gibt es in der Straße noch einen Biometzger, einen Teeladen und eine Kaffeerösterei. Da fehlte nur der Trockenwarenladen 🙂  Es gibt aber immer mal wieder Fragen, ob man das Sortiment nicht ausweiten könne.

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Der Laden soll eine Ergänzung zum Angebot der Ladenburger Straße sein, so Anna Wahala. Fotos: Dominique Facciorusso.

Viele Kunden mögen es dann doch gerne praktisch und haben alles an einem Fleck?
Ja, solche Kunden gibt es klar. Da spielt vor allem der Faktor Zeit eine große Rolle. Wenn man viel Programm hat, dann kann ich natürlich nachvollziehen, dass der Samstags-Einkauf bei einigen Menschen einfach schnell gehen muss. Es gibt aber auch die Kunden, die den Einkauf bewusst zelebrieren und gerne über den Markt und in die einzelnen Fachläden schlendern möchten.

Wie kommt denn der Laden bisher bei den Kunden an? Welches Feedback bekommst Du?
Ziemlich positiv. Auch wenn man natürlich vor so einer Eröffnung seine Marktforschung macht, weiß man nie mit Sicherheit wie es dann in der Realität tatsächlich aussieht. Vor der Eröffnung kamen schon ein paar Journalisten auf mich zu und wollten über den Laden berichtet. Das hat sich dann über das Internet ziemlich schnell verbreitet. Es kamen auch schon einige Leute in den Laden, die meinten, dass sie selbst mit dem Gedanken gespielt haben, so eine Idee in die Tat umzusetzen. Von vielen Kunden erhalte ich auch Feedback wie: „Endlich! Wir warten da schon so lange drauf!“. Auch die Nachbarschaft ist sehr positiv gestimmt – Das freut mich natürlich sehr.

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Auch im Sortiment: Gewürze und Tee. Fotos: Dominique Facciorusso.

Was ist Dein Ziel bzw. was wünschst Du Dir mit Deiner Arbeit zu erreichen?
Aus Gesprächen mit anderen habe ich immer wieder rausgehört, dass sie so gerne etwas tun möchten, indem sie zum Beispiel auf Verpackungsmüll verzichten. Aber das geht meistens gar nicht, weil vieles eingepackt ist. Unter anderem solchen Leuten möchte ich die Möglichkeit geben, so einkaufen zu können. Natürlich mögen es viele praktisch und wollen nur einen Griff ins Regal. Aber den anderen möchte ich die Gelegenheit geben, einen plastikfreien Einkauf auch umsetzen zu können. Gestern war eine Frau hier, die meinte, dass sie grade eigentlich gar nichts bräuchte, aber der Laden sie dazu bringe, sich mit dem Thema mehr auseinanderzusetzen zu wollen. Das finde ich sehr schön, wenn so ein Denkanstoß stattfindet.

Das Thema wird in der öffentlichen Debatte auf jeden Fall zunehmend präsenter…
Das nehme ich auch so wahr. In der EU findet ja aktuell eine Debatte über ein Plastiktüten-Verbot statt. Also zum Glück tut sich da politisch langsam was und auch in den Köpfen der Verbraucher erhält das Thema Ernährung und Umweltschutz einen neuen Stellenwert. Interessant bleibt am Ende natürlich, was dann wirklich umgesetzt wird. Aber selbst wenn die Politik keine Schritte unternimmt – die Konsumenten können anfangen darüber nachzudenken und ihr Handeln ändern, damit ist viel gewonnen! Manchmal ist den Konsumenten nicht bewusst, wie viel Einfluss sie eigentlich haben.

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Für Spontan-Einkäufer: Im Laden kann man zur Not auch Papiertüten bekommen oder verschiedene Aufbewahrungsdosen kaufen. Fotos: Dominique Facciorusso.

Das wäre ein wunderbares Schlusswort, aber ich möchte mit Dir noch ein kleines „kurze Frage – schnelle Antwort“-Spiel machen…
Alles klar, schieß‘ los!

Was treibt Dich an?
Ich glaube eine bestimmte Wertevorstellung. Manchmal muss man einfach handeln und nicht immer nur Dinge hinnehmen und sagen „gut das ist halt so“. Ich möchte lieber aktiv werden und reagieren. Wenn man mit etwas nicht zufrieden ist, sollte man es zumindest versuchen, daran etwas zu ändern.

Deine Kunden sind…?
Gemischt, aber doch viel mehr junge Leute, als ich es vermutet hätte. Viele junge Mütter natürlich, die sagen „ich möchte, dass meine Kinder sehen, dass es anders geht und dass wir bewusst leben“. Das ist auch schön zu sehen, dass junge Leute, die ja die Zukunft sind, sich mit diesen Themen beschäftigen.

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Eine glückliche Kundin: “Ich wollte dir sagen, dass ich es echt cool finde, dass du den Laden aufgemacht hast. Auf so was warte ich schon lange!”. Fotos: Dominique Facciorusso.

Die Welt kann verzichten auf…?
Plastik. Es gibt Alternativen.

Du würdest Dir wünschen, dass…?
Dass es mehr solcher Läden gibt und dass Menschen dadurch zum Nachdenken angeregt werden.

Anna, ich danke Dir für deine Zeit und dein Engagement – es war sehr schön bei Dir! Weiterhin gutes Gelingen!
Danke!

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[…] Sie Anfang des nächsten Jahres den zweiten Teil des […]

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