Annas Unverpacktes: Plastikfrei am POS – Teil 1

In Deutschland werden zunehmend Lebensmittelläden eröffnet, die dem Verpackungsmüll und im Speziellen dem Plastik, bewusst den Kampf ansagen. In Kiel, Berlin, Mainz und München gibt es sie und seit Juni nun auch endlich in Heidelberg! Anna Wahala heißt die sympathische Besitzerin des Ladens, der seinen Kunden jede Menge Unverpacktes und Regionales zu bieten hat. Bewaffnet mit ein paar leeren Aufbewahrungsboxen betrete ich das Geschäft und gehe erst mal einkaufen…

Hallo Anna! Ich hoffe wir sind nicht zu früh? Danke, dass wir heute Deine Gäste sein dürfen.
Sehr gerne! Ich freue mich, dass Ihr vorbei schaut. Ich schicke noch schnell die Bestellliste weg, dann bin ich sofort für Euch da. (…) So es kann losgehen 🙂 Willkommen!

Ich habe ein paar Aufbewahrungsboxen dabei und eine kleine Einkaufsliste… Du hast ja alles da wie ich sehe. Wie muss ich das jetzt machen?
Wenn du magst zeige ich Dir wie es geht. Ist ganz einfach…

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Die Behältnisse werden erst leer abgewogen und dann kann es los gehen. An der Kasse zieht Anna dann das Gewicht der Dosen ab. Fotos: Dominique Facciorusso.

Klasse vielen Dank! Dann kann ich dir dabei ja schon mal die erste Frage stellen 🙂 Seit wann gibt es deinen Laden hier in der Ladenburger Straße und wie kamst du auf die Idee einen verpackungsfreien Laden zu eröffnen?
Also den Laden habe ich Ende Juni eröffnet, also vor ca. einem halben Jahr. Ich liebe einfach alles rund um das Thema Essen und beschäftige mich schon seit Langem mit Ernährung, biologischer Landwirtschaft, Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Diese Bereiche haben mich schon immer interessiert. Die Idee den Laden hier zu eröffnen, kam aber eigentlich eher über Umwege zu Stande…

Inwiefern?
Eigentlich hatte ich mal die Idee Backmischungen im Glas zu vertreiben. Eine Geschenkidee, die bisher immer super ankam. Dazu brauche ich Mehl, Zucker, Nüsse, Schokolade oder auch Ölsaaten in großen Mengen und so entstand dann langsam der Gedanke, diese und ähnliche Waren in einem Laden offen anzubieten. Hinzu kam, dass ich privat schon lange versuche auf Plastik zu verzichten. Einige Sachen wie etwa Trockenwaren bekommt man aber in Deutschland nur abgepackt. Und so fokussierte ich mich darauf, Standard-Trockenware offen anbieten zu wollen – auch jenseits der Back-Welt. Danach reihte sich ein Zufall an den nächsten, es ging alles ziemlich schnell: Genau in der Straße, in der ich so gerne etwas aufgemacht hätte, war plötzlich dieser hübsche Laden hier zu vermieten und da dachte ich „Was für ein Zufall! Ich muss es versuchen…“

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Vom Honig aus Heidelberg bis zu Plätzchen-Utensilien aus Meckesheim, das Sortiment soll so regional wie nur möglich sein. Fotos: Dominique Facciorusso.

Okay die Idee stand und den passenden Laden dafür gab es nun auch. Was waren die nächsten Schritte?
Ich musste mich erst mal natürlich durch die ganzen Richtlinien durcharbeiten. Gerade in Deutschland gibt es ziemlich strikte Vorlagen. Ich habe auch gleich zu Beginn das Gesundheitsamt kontaktiert, damit ich nichts falsch mache oder im Nachhinein Probleme bekomme. Zum Glück sind die Richtlinien beim Trockensortiment aber im Vergleich zu etwa tierischen Produkten nicht ganz so streng.

Und wie gehen Gesundheitsamt und Unverpackte Lebensmittel unter einen Hut?
Die Ladensituation war für das Gesundheitsamt teilweise selbst Neuland. Auch wenn es früher bereits offene Lebensmittel gab, so waren die Richtlinien nicht so strikt wie heute. Aber sie waren mittlerweile hier vor Ort und haben alles abgesegnet – verlief alles ganz nett 🙂

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Pasta, Nüsse, verschiedene Mehlsorten, Frühstücksflocken aller Art – hier wird jeder fündig. Fotos: Dominique Facciorusso.

Wenn du jetzt ein Statement an diejenigen senden könntest, die sich vielleicht ähnliche Konzept überlegen – was würdest du denen sagen?
Es ist sehr arbeitsintensiv. Vor allem wenn man alles alleine macht und von Null beginnt. Aber es ist machbar! Da ich vorher noch nie mit Lebensmitteln beruflich zu tun hatte, musste ich viele Dinge erst mal neu lernen. Aber wenn man das wirklich machen möchte und bereit ist die Zeit zu investieren, dann ist das auf jeden Fall zu schaffen. Ich hatte auch zum Glück Unterstützung in der Familie und im Freundes- und Bekanntenkreis. Von der Test-Verkostung bis zum Aufbau der Ladenausstattung – es haben sich viele liebe Helfer gefunden!

Als Verkoster würde ich mich auch zur Verfügung stellen 🙂 Jetzt sehe ich hier neben den Lebensmitteln auch noch schöne Küchen-Accessoires. Was hat es damit auf sich?
Ich hatte auch die Idee ein paar Haushaltswaren anzubieten, die entweder besonders nachhaltig, lokal oder hochwertig produziert werden. Da habe ich zum Beispiel Aufbewahrungsdosen, die sind aus Zuckerrohrmelasse – das finde ich total toll, weil die aus Abfällen gemacht sind (Nebenprodukt bei der Herstellung von Rohrzucker).  Oder da oben habe ich Backformen aus Meckesheim, das ist ja hier direkt um die Ecke von Heidelberg. Es ist klasse, dass es hier noch eine Blechwarenfabrik gibt. In den Gläsern siehst du Ausstecher für Weihnachtsgebäck, die werden auch dort gefertigt.

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Die kennen wir doch: Die Eco-Brotbox. Fotos: Dominique Facciorusso.

Ich sehe du führst auch die ECO Brotboxen. Darüber habe ich vor kurzem einen Artikel geschrieben 🙂
Echt? Witzig… Ja ich hatte einige Mütter, die für ihre Kids Edelstahl-Brotboxen gesucht haben. Auf der Suche danach bin ich dann auf die Firma gestoßen. Oder letztens war eine Kundin da, die auf der Suche nach Coffee-To-Go-Bechern ist. Bisher konnte ich aber keine plastik- oder silikonfreie Alternative finden. Ich suche immer wieder nach plastik-freien Haushaltsprodukten, bei denen es vor allem auf Seiten der Kunden einen Bedarf gibt.

Nach welchen Richtlinien beziehst du deine Produkte?
Je näher umso besser! Ich achte darauf, dass es möglichst regional bzw. wenn möglich in Deutschland produziert ist. Das ist aber nicht bei allen Produkten hier der Fall, da gibt es auch Sachen aus Frankreich oder Dänemark. Ganz einfach aus dem Grund, weil ich etwas Vergleichbares hierzulande noch nicht gefunden habe. Neben dem Regionalen spielen aber auch die verarbeiteten Materialien eine große Rolle.

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Fotos: Dominique Facciorusso.

Und bei den Lebensmitteln?
Das „je näher desto besser-Prinzip“ gilt natürlich auch für die Lebensmittel. Dabei kommt es aber sehr darauf an, wo ich die Ware offen überhaupt herbekomme. Bisher puzzelt sich mein Sortiment aus verschiedenen Anbietern zusammen, denn es gibt nicht eine Adresse, bei der man alle Lebensmittel unverpackt kaufen kann. Ein paar Lebensmittel wie zum Beispiel die Getränke und Nudeln bekomme ich bisher nur über den Großhändler hier in der Nähe. Das Getreide und die Gewürze kommen wiederum aus Mühlen in Süddeutschland.

(…) Lesen Sie Anfang des nächsten Jahres den zweiten Teil des Interviews.

 

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