3D-Drucker: B wie Baubranche

In einer kleinen Artikelserie wollen wir euch exemplarisch ein paar Branchen vorstellen, in denen die 3D-Drucktechnologie bisher Fuß gefasst hat… Nicht nur in der Automobilindustrie gibt es bemerkenswerte Fortschritte, auch in der Baubranche wächst zunehmend die Bedeutung der 3D-Drucktechnologie. Heute wollen wir euch drei ehrgeizige Projekte vorstellen.

B wie Baubranche:

Dem chinesische Bauunternehmen WinSun ist es gelungen mittels 3D-Drucktechnologie eine 1100 qm große Villa sowie ein fünfstöckiges Wohnhaus herzustellen. Bei dem Wohnblock handelt es sich nach Angaben von WinSun sogar um das bislang größte 3-D-gedruckte Haus auf der Welt. Der Druck hat grade mal einen Tag gedauert. Bereits letztes Jahr hat das Unternehmen mit 10 kleinen Fertighäusern auf sich aufmerksam gemacht: Die Häuser wurden innerhalb von weniger als 24 Stunden gedruckt und sind vor allem angesichts des niedrigen Preises von circa 4.800 US-Dollar für eine breite Masse erschwinglich. Das Besondere bei allen 3D-Objekten des Unternehmens ist die Drucker-„Tinte“ – ein Materialmix besteht aus recyceltem Bauschutt, Industrieabfällen und Steinbruch. Eine Wiederverwertung von Abfällen ist nicht nur kostengünstiger, sondern schont auch die Umwelt – so der Tenor von WinSun.

Das Lewis Grand Hotel auf den Philippinen hat einen Hotel-Anbau mithilfe eines 3D-Druckers umgesetzt. Die 130 qm große Hotel Suite hat zwei Schlafzimmern, ein Wohnzimmer und einen Spa-Bereich inkl. eines gedruckten Jacuzzis. Wenn bis zur Eröffnung alles wie geplant verläuft, dann handelt es sich bei dem Komplex um das erste bewohnbare und kommerziell genutzte Gebäude der Welt. Der Hotelunternehmer und Ingenieur für Materialwissenschaften Lewis Yakich sieht neben dem Zeitfaktor einen weiteren entscheidenden Vorteil des Druckverfahrens in der Kosteneinsparung (bis zu 60 Prozent). Bei der Suche nach geeigneten Baumaterialien fiel die Wahl u.a. auf Sand und Vulkanasche, die auf den Philippinen reichlich vorhanden sind. Für Yakich ist der Hotel-Anbau erst der Anfang: Nach Abschluss des Projekts soll die Technologie für den Bau von weiteren Häusern genutzt werden.

In Amsterdam soll bis 2017 eine neue Fußgängerbrücke über einer der Grachten entstehen. Das Besondere? Die MX3D-Brücke wird von Multiachsen-Industrierobotern direkt vor Ort gedruckt. Die vollautomatisierten Maschinen sind mit speziell dafür entwickelten Druckköpfen ausgestattet, aus denen auf 1.500 °C erhitztes Metall fließt. Das aufgeschichtete Metall kühlt ab, härtet aus und wird stabil, so dass sich die Roboter auf der Konstruktion stückweise vorwärts bewegen können. Schicht für Schicht zeichnen die Roboter die Skelettkonstruktion in die Luft und drucken sich von einem Ufer zum anderen. Und das völlig ohne menschliche Arbeitskraft.

Und hier setzen auch die Argumente der Kritiker an: Schöne neue Arbeitswelt. Auch wenn die neue Technologie auf einen umweltfreundlicheren, zeit- sowie kosteneffizienteren Hausbau abzielt, so gefährde die 3D-Drucker-Technologie Arbeitsplätze. Im Gegensatz zum Arbeiter sind Maschinen von Krankheitsausfällen ausgenommen, sind bedeutend schneller und nachdem sie sich einmal amortisiert haben kostengünstiger. Auch wenn durch die Technologie neue Arbeitsplätze entstehen, so werden in Summe trotzdem weniger Menschen benötigt, um ein Bauprojekt umzusetzen.

In Deutschland gibt es bislang keine realisierten 3D-Druck-Projekte im Bauwesen, scheitern diese schon alleine an der deutschen Bürokratie. Vorerst wird sich dies nach Ansicht von Thomas Bolte von der Deutschen Fertighaus Holding AG  auch nicht ändern: „Hier gelten strenge Vorschriften und Normen für Neubauten. Wer etwa die hohen und stetig verschärften energetischen Standards nicht erfüllt, erhält keine Baugenehmigung. (…) Vor diesem Hintergrund ist bei dem Thema Häuserdruck Skepsis angebracht.“.

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